Ein Zwischenruf zu … : … Alleinerziehenden

Ursula Weidenfeld

Alleinerziehenden Müttern gilt die Hauptsorge dieser Gesellschaft. Zu Recht: Wer seine Kinder ohne Partner aufzieht, hat eines der höchsten Risiken, zu verarmen und arm zu bleiben. Alleinerziehende Frauen arbeiten die längsten Wochenarbeitszeiten aller Bevölkerungsgruppen, wenn man Familienarbeit und Erwerbsarbeit zusammennimmt. Ihre Kinder gelten dennoch als besonders gefährdet. Sie stellen einen hohen Anteil unter den Schulabbrechern und unter denen, die ihren eigenen Weg mit dem Handicap Bildungsarmut beginnen.

Da will man schon wissen, warum sich trotzdem so viele Frauen für diesen Weg entscheiden. Es hat etwas mit der Fürsorge zu tun. Sorge drückt sich im deutschen Sozialstaat vor allem durch Geld aus. Kaum eine Bevölkerungsgruppe unter den Armen und schlecht Gebildeten hat so komfortablen Zugang zu staatlicher Unterstützung wie Alleinerziehende. Und kaum einer Gruppe wird der Weg zurück in eine dauerhafte Partnerschaft so schwer gemacht. Alleinerziehende und ihr Nachwuchs werden nach den Hartz-IV-Kriterien besser behandelt als Paare, die im Hartz-IV-Deutsch als Bedarfsgemeinschaften firmieren. Partnerlose werden zudem warmherzig willkommen geheißen, wenn es um Betreuungsplätze geht – im Gegensatz zu intakten Familien. Es ist der Status der Kinder, der den Unterschied macht.

So sorgt die Allgemeinheit aus lauter gutem Willen heraus dafür, dass es sich im Kreis der Armen und Ärmsten lohnt, auch ohne zuverlässigen Partner Kinder zu haben – und dass bestraft wird, wer aus dieser Situation heraus stabile familiäre Beziehungen sucht. Oder gar eine feste Beziehung eingeht, bevor die Kinder kommen.

Die heilige Maria wird in diesen Tagen gern als Vorbild genutzt. In den adventlichem Predigten wird gelobt, dass heute niemand mehr Zuflucht in einer Ehe suchen muss, um der gesellschaftlichen Ächtung zu entgehen. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass niemandem zugemutet werden darf, mit einem Partner zusammenzuleben, der unerträglich ist, aus welchem Grund auch immer.

Der Unterschied liegt im Detail: Maria hat alles daran gesetzt, den eigenen Sohn auf den richtigen Weg zu bringen. Sie hat sich dafür in eine stabile Beziehung, mit Josef, geflüchtet. Ob die Sache erfolgreich zu Ende ging, hängt vom Glauben des Betrachters ab. Aber die Logik der heutigen Alleinerziehenden ist umgekehrt – auch wenn ihre Kinder alle Nachteile in Kauf nehmen müssen, damals wie heute.

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