Ein Zwischenruf zu … : … Angela Merkel

Ursula Weidenfeld weiß, warum die Bundeskanzlerin anders als Gerhard Schröder nicht aufgeben wird.

von

Was unterscheidet Angela Merkel von Gerhard Schröder? Das ist eine dumme Frage, natürlich. Doch sie ist in diesen Tagen wieder ziemlich aktuell – weil bei der Beurteilung der vergangenen Woche so getan wird, als gebe es keinen Unterschied. Die Parallelen drängen sich auf. Wie Gerhard Schröder als Kanzler bei der Kandidatur Gesine Schwans gescheitert ist, so ist Angela Merkel über zwei Wahlgänge mit ihrem Bundespräsidentenkandidaten Christian Wulff baden gegangen. Die Präsidentenwahl war für die rot-grüne Koalition der Wendepunkt, von da an ging’s bergab. Möglicherweise gilt das auch für CDU/CSU und FDP. So wie die folgenden Jahre der Schröderschen Regierung von Niedergang und Streit geprägt waren, wird sich auch die Merkel-Regierung erst einmal dahinschleppen.

Doch es gibt auch einige Unterschiede, die die Sache in ein grundsätzlich anderes Licht rücken. Merkel hat noch eine Mehrheit, wenn auch eine widerspenstige. Sie hat ihren Kandidaten im dritten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit der Koalition durchgebracht. Und: Merkel ist nicht Schröder. Ihre politische Laufbahn und ihr Weg an die Spitze sind geprägt davon, dass man sie nicht wollte – und sie dann doch bekam. Dabei hat sie gelernt, Widerstand auszuhalten und in einem feindlich gesinnten Umfeld stehen zu bleiben. Von Helmut Kohl hat sie das gelernt, nicht von Gerhard Schröder. Der hat den Karren krachend gegen die Wand gesetzt, als ihm die eigene Mehrheit in der SPD-Bundestagsfraktion nicht mehr sicher erschien. Merkel würde das nicht tun. Sie macht einfach weiter.

Ein anderer Unterschied ist noch gravierender. Gerhard Schröder hatte immer Pech mit der wirtschaftlichen Entwicklung, Angela Merkel hatte (bisher) immer Glück. Pünktlich zu Wahlen drehte bei Schröder die Konjunktur nach unten weg. Bei Angela Merkel zieht sie (bisher) an. Die schlimmste Krise der Weltwirtschaft ging bisher glimpflicher ab als gedacht. Der Arbeitsmarkt lief besser als erwartet, die Bankenrettung wirkte, die Nachfrage zog wieder an. Wenn die Wirtschaft nun weiter Fahrt aufnimmt, werden sich viele der heute scheinbar unlösbaren Probleme auf die elegante Tour verabschieden: Der Reformdruck im Gesundheitswesen sinkt, wenn mehr Menschen eine Arbeit haben, Schuldenabbau und Schuldenbremse fallen leichter, wenn die Wirtschaft wächst. Das wäre der entscheidende Unterschied zu Schröder und seiner rot-grünen Koalition. Verdient hätte diese Regierung ihn nicht. Aber damit kann sie leben.

Autor

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben