Ein Zwischenruf zu … : … Berlins Koreanern

Barbara John

Sie sind die erfolgreichste Einwanderergruppe Berlins in der Nachkriegszeit und gerade deshalb fast vergessen. Sie waren nie arbeitslos, ihre Kinder gehörten nicht zu den Schulversagern, sie lebten nicht isoliert in bestimmten Vierteln, sie sind in der Regel mit Deutschen verheiratet, und Zwangsehen kennen sie nur aus der Zeitung. Sie gehören zu den sichtbaren Minderheiten und sind doch unsichtbar in den Medien; bei ihren Vereinsjubiläen fehlen die städtischen Vertreter. Ich spreche von den etwa 3000 koreanischen Krankenschwestern, die zwischen 1965 und 1973 nach Berlin kamen, um den Pflegenotstand zu lindern. Ehemalige Patienten erinnern sich noch begeistert an das hohe fachliche Können und die stets fürsorgliche Zuwendung.

Sollte es nicht auch im kollektiven Gedächtnis Berlins Raum geben, den koreanischen Beitrag wie auch die Leistungen anderer Einwanderergruppen öffentlich herauszustellen? Zum Beispiel in Gebäuden und Einrichtungen, wo sie lebten oder tätig waren? Eine Stadt wie Berlin, die es ohne Einwanderung gar nicht gäbe, hat schon viele solcher Orte, allerdings weisen sie auf weit zurückliegende Einwanderungen hin wie das Böhmische Dorf in Neukölln, der Französische Dom in Mitte, der Schlesische Bahnhof in Kreuzberg.

Städte wie Paris oder Washington haben inzwischen repräsentative Einwanderermuseen, die zu Besuchermagneten geworden sind. Schön, wenn man sich diesen Aufwand leisten kann. Es geht aber auch eine „Nummer kleiner“, dafür sogar lebensnäher, denn Spuren der Nachkriegseinwanderer sind über die ganze Stadt verteilt: Da sind beispielsweise die Wohnblöcke in Hohenschönhausen, in denen Tausende von der DDR angeworbene Vietnamesen getrennt von der deutschen Bevölkerung leben mussten. Siemens, AEG und Telefunken im alten West-Berlin waren die Fabriken, wo die Gastarbeiter aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien „ihre Brötchen verdienten“. Viele „Pflegeengel“ aus Korea nennen das frühere Krankenhaus Havelhöhe als einen besonderen Ort ihres Wirkens. Mit Erinnerungstafeln vor Ort, gemeinsam gestaltet mit den eingewanderten Gruppen, könnte ein Spurenband über die Stadt verteilt entstehen als Zeichen des Dankes und der Berliner Integrationskraft.

Einige Koreanerinnen würden sogar ein Reisebüro auszeichnen, in das sie anfangs hocherfreut liefen, weil sie das Wort Reise für die Mehrzahl von Reis hielten, den sie endlich in asiatischer Qualität kaufen wollten.

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