Ein Zwischenruf zu … : … Bildungslotsen

Barbara John

Ein neues Stipendienprogramm für Studenten hat am Freitag den Bundesrat passiert. Ein Programm wie aus der Bibel entlehnt, wo es in Matthäus 25,29 heißt: „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.“ Einzige Voraussetzung, um vom Bund künftig monatlich 300 Euro zu bekommen, ist es, hochbegabt zu sein. Das Einkommen der Eltern darf hoch oder niedrig sein, gefragt wird danach überhaupt nicht. Bei welcher Einkommensgruppe der größte Teil der 30 Millionen Euro jährlich landen wird, lässt sich auch ohne Kristallkugel vorhersagen. Welche soziale Gruppe stellt denn mehrheitlich die Top-Studenten?

Nun gibt es auch eine Bildungsinitiative der Bundesregierung, die geeignet sein könnte dem skandalösen „Matthäus-Prinzip“ entgegenzuwirken: Bezahlte Bildungslotsen sollen lernschwachen Hauptschülern einen Weg zum Abschluss und zum Berufseinstieg weisen. Gut gemeint, aber nicht gut genug gemacht, denn stabile Basiskompetenzen im Lesen, Schreiben und in Mathematik als Grundbedingung fürs Weiterlernen in Beruf und Schule können nicht erst in der Klasse vor dem Hauptschulabschluss entwickelt werden, wenn die Lotsen zum Zuge kommen. Jegliche Zusatzunterstützung muss früher beginnen, länger dauern als 18 Monate und mehr Mittel zur Verfügung haben als vorgesehen.

Jahr für Jahr wechseln zehntausende Jugendliche aus der Schule in die lebenslange Abhängigkeit von staatlichen Leistungen, weil sie nicht einmal einen Hauptschulabschluss erreichen nach einem zehnjährigen Schulbesuch, die meisten stammen aus Einwandererfamilien. Werden diejenigen dazugezählt, deren Kompetenzen trotz eines Abschlusses so gering sind, dass eine Berufsausbildung nicht infrage kommt oder erfolglos endet, dann sind es mehrere hunderttausend. Das ließe sich ändern, wenn die Not dieser Schüler uns allen auf der Seele brennen würde, weil doch klar sein muss, dass die Schule ihre wichtigste, oft einzige Lernressource ist.

Eltern und anregende soziale Netzwerke, die bei anderen Schülergruppen wie Bildungskraftwerke wirken, gibt es für sie nicht. Daran werden auch notwendige Strukturreformen wie die Gemeinschaftsschule wenig ändern. Gebraucht wird deshalb ein der Kita und Grundschule verbundenes Hilfesystem, in dem Kinder schon bei ersten Anzeichen von Lernschwäche und einsetzender Lustlosigkeit solange zusätzlich unterstützt werden, bis sie den Anschluss geschafft haben.

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