Ein Zwischenruf zu den … : … Babyboomern

Ursula Weidenfeld über das Methusalem-Syndrom.

Ursula Weidenfeld

Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hilft beim Deutschlandfonds und beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung mit Rat und Tat. Der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Michael Endres versucht als Aufsichtsratsvorsitzender, Deutschlands marodeste Bank Hypo Real Estate in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Ex-Superminister Wolfgang Clement schlichtet die Tarifgespräche am Bau. Die streitenden Parteien am Griebnitzseeufer brauchen sogar eine Doppelbesetzung, um überhaupt wieder miteinander reden zu wollen: Der frühere Chef der ständigen Vertretung, Hans-Otto Bräutigam, und der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, sollen den Streit zwischen Uferbewohnern und Uferbegehern in Potsdam schlichten. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann findet gar, dass das Land dringend einen ganzen Rat der Weisen braucht, um seine Probleme zu bewältigen.

Es ist gut für ein Land, wenn es so viele vernünftige alte Menschen hat. Aber es ist schlecht, wenn sich die aktive Generation an all diese Aufgaben nicht heranwagt. Das Vermitteln und Ausgleichen ist zwar immer eine Sache der Älteren gewesen. Aber es sollte die Generation der 45- bis 60-Jährigen sein, die diese Älteren stellt. Die Babyboomer aber haben nicht lernen können und müssen, älter zu werden. Schließlich sind die Jüngeren ausgeblieben, die sie hätten zu Reife treiben können. Die Älteren, die eigentlich kontrollieren, bremsen und prüfen sollten, haben nicht nur diese Aufgabe verweigert. Sie machten sich darüber hinaus auch noch zum Erfüllungsgehilfen des Überschwangs und des Leichtsinns der wenigen Jungen. Als es dann schiefging, wurde die Verantwortung eben nach oben gereicht. Nur eine ältliche Mehrheitsgesellschaft kann sich einreden, sie bestehe ausschließlich aus Best-Agern und Kirchentagsbesuchern und habe selbst überhaupt keine Schuld an den Exzessen geldgieriger junger Banker.

Nicht die Alten haben versagt, und die Jungen waren es auch nicht. Die haben nur das gemacht, was in ihrem Alter üblich ist. Versagt hat die Generation Babyboom: Zuerst, indem sie selbst keine Kinder in die Welt setzte. Dann, indem sie die wenigen Kinder einfach gewähren ließ. Und nun, indem sie betroffen in die Ohrensessel schaut und nach weisen Männern sucht, die das Schlamassel beheben können.

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