Ein Zwischenruf zu den … : … lieben Doofen

Ursula Weidenfeld darüber, warum der Staat ein kompliziertes Steuerrecht braucht.

Ursula Weidenfeld

Es kann kommen, wie es will. Aber nach der Wahl wird es die ein oder andere Entscheidung zum Thema Steuern geben müssen. Weil sich alle potenziellen Regierungskoalitionen in der Sache schon ziemlich festgelegt haben, ist es spätestens ab morgen vernünftig, sich Gedanken zu machen, wie man da wieder herauskommt. Und zwar am besten, ohne dass einer merkt, wie und wo die Steuern erhöht werden.

Glücklicherweise muss sich keine Partei da ausschließlich auf den eigenen Sachverstand besinnen. Es gibt ja die Verhaltensökonomen. Die amüsieren sich beispielsweise ein bisschen über den Glauben, dass jeder Mensch von einem einfachen und gerechten Steuersystem träumt. Sie haben herausgefunden, dass die Gerissenen unter den Steuerbürgern natürlich von einem komplizierten und verschachtelten Steuersystem mehr profitieren. Weil aber die Gewieften andererseits auch diejenigen sind, die dem Gemeinwesen am meisten bringen – sie haben die besseren Jobs, steigern das Bruttosozialprodukt durch ihre Pfiffigkeit weit stärker als die lieben Doofen –, ist es aus Sicht des Staates verlockend, ein Steuersystem zu etablieren, dass diesen Menschen mehr entgegenkommt. Also doch lieber kompliziert und verschachtelt. Kompliziert und aufwendig ist auch da gut, wo der Steuerbürger Geld zurückbekommen soll. Hier kann der Staat sich Hoffnung machen, dass nicht alle alles Geld mitnehmen, das sie bekommen könnten. Vor allem die lieben Doofen lassen das Geld gern liegen. In Zeiten angespannter Finanzlage dürfen es da ruhig noch ein paar Formulare mehr sein.

Für alles andere gilt: Wenn schon Steuern, dann am besten solche, die man nicht bemerkt. Die Verhaltensökonomen haben herausgefunden, dass der Mensch sein Geld lieber für Dinge ausgibt, bei denen er nicht so genau weiß, wie viel der Staat vom Kaufpreis hat. So ist es aus staatlicher Sicht eine prima Idee, an der Tankstelle zu verschweigen, welchen Anteil er am Benzinpreis hat. Wer aber an der ausgewiesenen Mehrwertsteuer erkennt, was der Staat nimmt, reagiert schon mal eher sauer. Und – nur für den Fall, dass irgendjemand in den nächsten Monaten auf die Idee kommen sollte, dass ein neues Konjunkturprogramm angezeigt ist: Nennt es Steuerbonus, auf keinen Fall aber Steuernachlass! Denn: Wer das Gefühl hat, ein Geldgeschenk zu bekommen, gibt das Geld lieber aus als jemand, der vermuten muss, nur einen Nachlass auf das bereits Gezahlte zu bekommen. Auch, wenn unter dem Strich beides dasselbe ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben