Ein Zwischenruf zu den … : … Telegirls

Barbara John

Seit 1997 gibt es die Teletubbies, eine englische Fernsehserie für Kleinstkinder. Seit wenigen Tagen gibt es die Telegirls, allerdings erst als Ankündigung der Telekom, den Frauenanteil in den Chefetagen auf fast ein Drittel zu erhöhen in den nächsten fünf Jahren. Bravo! Das ist konkrete, kluge und konkurrenzlose (noch) Personal- und Geschäftspolitik. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine der üblichen Bemühenszusagen für einen höheren Frauenanteil aus Gründen der Gleichberechtigung, ist diesmal eher eine unausweichliche Anpassung an die Realität. Der Telekom geht es um die Kompetenz von Frauen und nicht mehr um den Nachweis, ein frauenfreundliches Unternehmen zu sein. Das ist ein Meilenstein auf dem Weg zur beruflichen Chancengleichheit der Geschlechter. Obwohl seit langem bekannt ist, dass weit mehr junge Frauen als Männer zur Hochschulreife kommen und ein wirtschaftswissenschaftliches Studium erfolgreich abschließen; dass sie kommunikativ, rücksichtsvoll und gleichzeitig entschieden im Führungsverhalten sind, gibt es bisher in den 30 Dax-Unternehmen nur eine Frau unter den Hunderten von Vorstandsmitgliedern. Es ist eine Welt, die noch zu 99,99 Prozent den Männern gehört. Nicht etwa, weil sie qualifizierter oder geeigneter sind für die Aufgaben, sondern weil es schon immer so war.

Wenn jetzt mehr Frauen die Chefposten bekommen sollen, dann deshalb, weil sie nun die Besseren für die Jobs sind, und nicht, weil sie Frauen sind und auch noch ein bisschen was von Wirtschaft verstehen. Es geht gerade mit der Quote um die Bestenauslese, denn dazu gehören heute endlich auch viele Frauen.

Deshalb formieren sich auch schon die Männerbündnisse in den Großkonzernen gegen konkrete Zusagen à la Telekom. Da ist zu hören: „Wir bevorzugen Qualifikation statt Quote. Wir sind für Leistungsorientierung, und die bringen Frauen auch ohne Quote.“ Begründungen wie verstaubtes, abgenutztes Geschirr: wertlos und unansehnlich. Und falsch obendrein, denn ginge es tatsächlich um Leistung, müsste es schon längst mehr weibliche Chefs in den Führungsetagen geben, allein aufgrund der hohen Zahl von Frauen mit glänzenden Studienabschlüssen. Aber gerade dort gibt es noch die Herrschaft im wahren Sinne des Wortes. Die millionenschwere Management-Männlichkeit ist eine ihrer letzten Festungen, die sich abschottet, sich verbarrikadiert, sich schützt mit Parolen, um die Macht zu behaupten, auch über die Frauen. Mit den Telegirls könnte ihre Zeit abgelaufen sein.

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