Ein Zwischenruf zu … : … Migranten

Ursula Weidenfeld über einige Irrtümer vieler Angestellten in der Integrationsindustrie.

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Wie geht es eigentlich den Migranten und deren Kindern in Deutschland? Zu diesem Thema gab es bisher wenig Zahlen, aber viele Vermutungen. Migranten haben kein großes Interesse an einer Integration in die Mehrheitsgesellschaft, ist eine dieser Annahmen. Eine andere ist: Sie und ihre Kinder sind schlecht gebildet und haben nicht den Mumm, sich um gute Schulbildung zu bemühen. Oder: Sie bleiben lieber unter sich, deshalb wohnen sie am liebsten da, wo schon viele andere Migranten wohnen.

Der Sachverständigenrat für Integration, der von großen Stiftungen finanziert wird, hat in dieser Woche ein paar Fakten geliefert, die dicke Fragezeichen hinter die bisherige Integrationspolitik setzen. Migranten und ihre Nachkommen integrieren sich in Deutschland nämlich wesentlich besser, als man bisher so gedacht hat. Die meisten Migranten fühlen sich in Deutschland wohl. Wer kann, zieht relativ schnell in bessere Wohngegenden um, schickt seine Kinder auf „gute“ Schulen. Migranten vertrauen den Deutschen sogar mehr als diese sich selbst.

Offenbar hat ein großer Teil der Integrationsindustrie aus Sozialarbeitern, Ämtern, Vereinen an den wirklichen Problemen vorbei integriert. Es geht gar nicht so sehr darum, bei Migranten den Willen zur Integration zu entfachen. Es geht um die Perspektive der Integration, um die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. Hier haben Menschen mit dem Nachnamen Yilmaz und solche, die Müller heißen, dasselbe Thema: Wenn sie arm und ungebildet sind, möglicherweise dazu noch seit langem arbeitslos, haben weder sie noch ihre Kinder in diesem Land tolle Chancen, den Weg nach oben zu schaffen.

Bildung ist der Schlüssel zum Aufstieg. Statt aber alle Kraft darauf zu konzentrieren, die Nachteile für Kinder aus bildungsfernen Familien zu lindern, hält die Mehrheitsgesellschaft an ihren Klischees fest. Hunderttausende von Sozialarbeitern leben von der Migrantenarbeit, viele Hauptschulrektoren und die Lehrer an Förderschulen wüssten gar nicht, was sie ohne die Kinder von Zuwanderern machen sollten, die sich so widerstandslos bei ihnen einschulen lassen. Das Interesse der Mehrheitsgesellschaft an noch mehr Integrationserfolg ist sehr gebremst. Doch eine Gesellschaft schuldet es ihren Bürgern, dass diese ihr Potenzial entdecken und entwickeln können. Wenn sie sich entscheiden, darunter zu bleiben, ist das ihre Sache. Aber sie müssen die Wahl haben. Das hat Deutschland versäumt – in sehr ähnlicher Weise bei bildungsfernen Migranten und Nichtmigranten.

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