Ein Zwischenruf … : … zum Euro

URSULA WEIDENFELD 

Die Bundeskanzlerin hat den Euro in das Zentrum ihrer Neujahrsansprache gestellt. Zu Recht. Der Euro stehe in seiner größten Bewährungsprobe. Auch damit hat sie recht. Er müsse mit allen Mitteln verteidigt werden, weil er mehr sei als eine Währung. Der Euro sei Europa.

Das aber ist nicht die Stärke der gemeinsamen Währung. Es ist seine gefährlichste Schwäche. Solange der Euro überhöht wird – als Grundstein Europas, als gemeinschaftsstiftender Sinn der Staatengemeinschaft –, wird er angreifbar und gefährdet bleiben. Dann nämlich werden auch die kommenden Monate geprägt sein von der Frage, ob Deutschland auch die Staatsverschuldung der Nachbarländer schultern muss. Und von der Spekulation, wie lange das gut gehen kann. Wer sagt, dass das Schicksal des Euro auch zwingend das Schicksal Europas ist, redet im Zweifel auch einer wachsenden Überforderung der soliden Mitgliedsländer das Wort.

Die gemeinsame Währung aber kann nur überleben, wenn sie nicht von politischen Zielen korrumpiert wird. Der Euro wurde zu früh eingeführt, und es sind mehr Länder Mitglied der Eurozone, als es der gemeinsamen Währung gut tut. Das lässt sich heute kaum noch heilen. Die Euro-Länder haben eine völlig unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung, sie haben abgesehen von der Verschuldung strukturelle Probleme, die nicht miteinander vergleichbar sind, sie haben unterschiedliche politische Ziele. Das lässt sich nur zusammenzwingen, wenn man der Währung ihre sentimentale Maskerade abreißt. Nur dann kann man den Euro auch verteidigen – und zwar mit klassischer, altmodischer Geldpolitik. Der Geldpolitik dürfen nicht die politischen Probleme Europas aufgebürdet werden, weder durch den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, noch durch Eurobonds, die die Länderrisiken verschleiern. Das sorgt, wenn man es dauerhaft betreibt, dafür, dass aus dem Euro eine Schreckensgeschichte ohne Ende wird.

Die Länder Europas müssen in diesem Jahr ihre Probleme in den Griff kriegen. Sie werden ihre Versorgungsversprechen reduzieren, die Arbeitsmärkte flexibilisieren und nicht zuletzt einen Teil ihrer Banken schließen müssen. Das sind politische Entscheidungen, die teuer und schmerzhaft werden. Diese Entscheidungen aber muss jedes Euroland für sich treffen, jedes Land muss seine Bevölkerung von der Notwendigkeit der Entscheidungen überzeugen. Der Euro aber muss 2011 wieder „nur“ eine Währung werden. Das ist die größte Herausforderung für Deutschland – und für Europa.

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