Ein Zwischenruf zum … : …Integrationsgesetz

Barbara John über einen neuen vom Berliner Senat geplanten interkulturellen Blödsinn.

Mehr Grün ins Wohnzimmer“, so hieß ein Begegnungsprogramm in den neunziger Jahren, das Polizisten (noch grüne Uniformen) mit ausländischen Familien in Kontakt bringen sollte, damit die Ordnungshüter neben ihren kriminellen ausländischen „Stammkunden“ endlich auch die „Normalos“ kennenlernen. Wie es im öffentlichen Dienst üblich ist, wurden sie dafür eigens interkulturell geschult – ein Novum damals. So präpariert machten sie sich auf den Weg zu ihren Kontaktfamilien. Nach dem Klingeln an der Wohnungstür spulten sie dann das interkulturelle Programm ab. Das lief, wie mir berichtet wurde, so: Öffnete die Hausfrau die Tür, verweigerten die Uniformierten bewusst den Händedruck, denn sie hatten gelernt, dass in orientalisch-muslimischen Milieus Männer auf keinen Fall zuerst der Dame des Hauses die Hand geben dürfen, weil das vom Hausherrn als regelwidrige Annäherung missverstanden werden könnte.

Was für ein interkulturell verbrämter Blödsinn!

Ob wir in Berlin von weiteren grotesken Beispielen verschont bleiben, ist nicht sicher. Wenn im Herbst das Berliner Integrationsgesetz vom Parlament beschlossen wird, geht es nämlich erst richtig los. Dann werden alle Mitarbeiter interkulturell geschult, und wer neu einsteigen oder aufsteigen will, braucht künftig ohne diese Kompetenz gar nicht erst anzutreten.

Alles gut und schön, schließlich ist Berlin eine weltoffene, internationale Stadt. Da können die Bediensteten nicht mehr bei jedem „Kunden“ voraussetzen, dass er Müller heißt, gut deutsch parliert und weiß, dass der spitze Zeigefinger an der Schläfe eine gestische Beleidigung ist. Lauter banale Einsichten. Ist dafür Weiterbildung erforderlich?

Gebraucht werden dagegen zum Beispiel Grundkenntnisse im Ausländer- und Europarecht, um zu verstehen, dass ein langjähriges Arbeitsverbot für Geduldete aus einem aktiven einen gebrochenen Menschen machen kann. In den Erläuterungen zum Gesetz ist davon nichts zu lesen, dafür aber viel über kulturell geprägte Regeln und Normen, die dann zwangsläufig allen zugeschrieben werden, die mit einem bestimmten Kulturkreis verbunden sind. So werden wohl weiterhin in Ämtern und Schulklassen junge Berlinerinnen aufgefordert zu erklären, warum sie nicht von Zwangsverheiratung bedroht sind oder warum im Ramadan gefastet wird. Es kann also in dieser Stadt bald lustig werden, wenn Einwanderern und Deutschen künftig eine kulturelle Identität verordnet wird. Die Zuständigkeit dafür ist schon geklärt.

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