Ein Zwischenruf zum … : … Islam-Unterricht

Barbara John über den "Dorf-Islam", der noch immer das Maß aller Dinge in Deutschland ist.

Barbara John

Als kürzlich die Diskussion wieder aufflackerte, auch in Berlin Islam-Unterricht unter staatlicher Aufsicht einzuführen, erinnerte ich mich an einen Vorfall in einer Kreuzberger Grundschule vom Anfang der 80er Jahre. Schon damals kamen Grundschülerinnen mit dem Kopftuch in die Schule, allerdings nur sehr wenige. Als ich sie fragte, warum sie das tun, antwortete eine von ihnen bedrückt: „Wenn ich das Kopftuch nicht trage, dann kommen 40 Schlangen und beißen mich tot, wenn ich schlafe.“ Auf Nachfrage ergab sich, dass sie das von Erwachsenen gehört hatte, und der Imam in der Koranschule hatte es bestätigt.

Von Mitleid bewegt ob der abgrundtiefen Gewissensnot des Kindes, versuchte ich, dem Mädchen die allgegenwärtige Bedrohung auszureden. Was mir damals aber auch schlagartig klar wurde, war, dass muslimische Kinder nicht angewiesen bleiben durften auf die Vermittlung religiöser Inhalte und Regeln durch Personen, die selbst nur einen Vulgär-Islam verinnerlicht hatten. Dazu gehören nicht nur muslimische Einwanderer, sondern auch unqualifizierte Imame und Koranlehrer, die aus den jeweiligen Herkunftsländern „importiert“ und für begrenzte Zeit in Deutschland tätig werden.

Klar war, dass Abhilfe am besten geschaffen werden konnte durch islamischen Religionsunterricht, der als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen in deutscher Sprache unterrichtet wird, wie es Artikel 7, Abs. 3 des Grundgesetzes vorsieht.

Genau auf diesen Weg haben sich inzwischen fünf Bundesländer gemacht, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo Modellversuche durchgeführt werden. Hessen will sich anschließen. Von einem Angebot für alle muslimischen Kinder und Jugendliche ist Deutschland dennoch Lichtjahre entfernt. Denn das Angebot steht nur etwa zwei Prozent der muslimischen Jugend zur Verfügung. Für die Mehrheit ist der eingewanderte „Dorf-Islam“ nach wie vor das Maß aller Dinge und nicht der aufgeklärte, kritische Gelehrten-Islam. In Berlin sieht es ein wenig besser aus: Immerhin besuchen 4700 der insgesamt circa 40 000 Kinder den Unterricht der Islamischen Föderation, der seit 2001 gegen den Willen des Senats erteilt wird. Diese Unterweisung ist übrigens besser als ihr Ruf.

Und wer, von Schadenfreude verführt, hofft, ohne staatlich geregelten Islamunterricht würde diese unbequeme Religion an Bedeutung verlieren, der möge sich vor Augen halten, dass die falschen Propheten diese Lücke gern füllen.

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