Ein Zwischenruf zur … : … Abwrackprämie

Ursula Weidenfeld über ein Extrageld für die Staubsaugerbesitzer, Biertrinker und Fahrradfahrer.

Ursula Weidenfeld

Die ökonomisch aufgeklärte Welt erregt sich über die Abwrackprämie, als sei ihre jetzt beschlossene Verlängerung bis zum Jahresende verheerend. Grund zu großem Ärger haben aber nur die Politologen: Der schamlose Opportunismus, mit dem die Bundeskanzlerin und der Vizekanzler versuchen, aus der Wirtschaftskrise Wahlkampfprofit zu schlagen, ist tatsächlich bestürzend. Aus wirtschaftspolitischen Motiven dagegen gibt es für Aufregung überhaupt keinen Grund. Die Abwrackprämie ist ganz offensichtlich das einzige Instrument der direkten Krisen- und Konjunkturpolitik, das funktioniert.

Deshalb wäre es absolut vernünftig, jetzt alles auf diese Karte zu setzen. Wenn es Deutschlands Altautobesitzer toll finden, sich das Extrageld fürs neue Auto zu holen, dann werden sich vermutlich die Staubsaugerbesitzer, die Biertrinker, die Fahrradfahrer oder auch die Zeitungsleser kaum anders verhalten. Vermutlich würden auch Mittelständler und Konzernvorstände angeregt reagieren, wenn sie bis zum Jahresende eine neue Werkzeugmaschine oder neue Lastwagen mit Rabatt bekämen. Der Erfolg der Prämie ist eine Kombination aus Herdentrieb, Sonderangebotsmentalität und dem Gefühl, dem Staat ein Schnippchen zu schlagen. Statt sich darüber aufzuregen, sollte man es nutzen: für einen Konsumgutschein für alles, und für einen Investitionsscheck für die Unternehmen. Verfallsdatum: 31. Dezember.

Alle anderen Konjunkturprogrammbestandteile müssen dagegen gestrichen werden. Sie taugen nicht für die akuten Konjunktursorgen. Die Investitionen aus dem staatlichen Bau- und Erneuerungsprogramm werden frühestens nach der Sommerpause starten – viel zu spät. Die Kinderschecks, die Wärmedämmanstrengungen, der Zuschuss zur Krankenversicherung sind sicher gut gemeint … Aber auch sie kommen zu spät, wirken zu langsam und außerdem lassen sie sich ganz offensichtlich nicht mit guten Slogans vermarkten. Wenn es stimmt, dass die Krise zur Hälfte Psychologie ist, dann gilt das auch für die Gegenmittel. Statt eines umfassenden und vernünftigen Konjunkturprogramms braucht Deutschland ganz offensichtlich eine unvernünftige Konjunkturkampagne. Eine, die alle Irrationalitäten des Landes und seiner Bewohner nutzt. Abwracken ist verrückt. Aber es funktioniert. Schultoiletten anzustreichen oder Häuser warm einzupacken ist vernünftig, aber es wirkt nicht stimmungsaufhellend.

Es ist auch Wahlkämpfern nicht verboten zu lernen. Sie müssen es nur schnell tun.

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