Ein Zwischenruf zur … : … Angst

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Ursula Weidenfeld.
Ursula Weidenfeld.Foto: Mike Wolff

Man kann der deutschen Politik vieles vorwerfen, nur eines nicht: dass zu wenig getan würde.

In Deutschland werden als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima sieben Atommeiler sofort heruntergefahren. Deutschland will im Weltsicherheitsrat nicht mit den USA, England und Frankreich für einen Einsatz in Libyen stimmen und hält sich lieber raus. Zusammen mit Russland und China. Geigerzähler und Jodtabletten sind in Deutschland ausverkauft – in Japan gibt es noch welche. Die Bundesmarine zieht ihre Schiffe aus dem Mittelmeer zurück, damit Engländer, Amerikaner und Franzosen merken, dass das Nicht-mit-Uns in Libyen ganz ganz ernst gemeint ist. Deutschland verstärkt jetzt seine Truppen in Afghanistan, weil England und die USA ihre Soldaten für Libyen brauchen. Eine Ethikkommission soll dafür sorgen, dass Atomstrom in Deutschland fix und im gesellschaftlichen Einvernehmen für immer abgeklemmt wird. Deutschland schickt seine Schiffe ins Mittelmeer zurück, damit sie den Engländern, Franzosen und Amerikanern doch ein bisschen helfen können, den Rebellen in Libyen zu helfen – aber nur, wenn die schon verletzt sind.

Ich treffe einen meiner Studienfreunde aus alten Bonner Zeiten. Er hat seinen alten Parka mit Original Wasserwerfer-Wasserrändern aus dem Bonner Hofgarten angezogen, auf dem seit Jahrzehnten die „Atomkraft-nein-Danke“-Plakette grinst.

Hat das alles noch etwas mit der zu Recht so gefürchteten „German Angst“ zu tun? Das auch. Doch es ist der noch viel gefährlichere „German Wahnsinn“, der uns schüttelt.

Wenn man der Auffassung ist, dass Atomenergie für Deutschland viel zu gefährlich ist – obwohl es hier nicht besonders oft riesige Flutwellen und gewaltige Erdbeben gibt – dann kann, muss man die Folgen dafür in Kauf nehmen: steigende Energiepreise, weniger Wirtschaftswachstum, mehr klimaschädliche Emissionen, mehr Hochspannungsleitungen quer durchs Land. Wenn man es für wichtig und richtig hält, Bündnispartner in guten und in schlechten Zeiten zu haben, dann muss man sich zu ihnen bekennen, und zwar offen. Angst ist so lange gut, wie sie Menschen daran hindert, vorschnell und unvorsichtig Risiken einzugehen. Angst, die Menschen dazu bringt, alles für ein Lebensrisiko zu halten, führt zu Kopflosigkeit und Panik, zum Irrsinn. Die deutschen „Nimbys“ („Not in my backyard“ – „Nicht in meinem Hinterhof“) leiden vor allem daran.

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