Ein Zwischenruf zur … : … Bildungsrendite

Ursula Weidenfeld darüber, dass wir fürs Leben lernen – und immer weniger fürs Geld.

Ursula Weidenfeld

Am Montag werden die Schulkinder wieder mit vielen guten Ermahnungen in ihre Lehranstalten geschickt. Nur wer ordentlich lernt, kann es später zu etwas bringen, am besten zum Ingenieur. Wer dagegen herumlungert und nix tut, wird ein Schulversager und muss ohne Abschluss von der Schule. Damit ist sein Schicksal besiegelt: Verrohung, Verdummung und Verslumung werden sich abwechseln mit anhaltender und zermürbender Arbeitslosigkeit. Und wenn ein solcher Mensch überhaupt mal etwas anderes tut in seinem Leben als von Hartz IV zu leben, dann wird er nicht genug verdienen und deshalb doch wieder von Hartz IV leben. Außerdem werden schlecht Gebildete öfter krank, sind tendenziell eher übergewichtig und bekommen schlechte Zähne.

Sicher ist an all dem etwas dran. Doch mit der Drohkulisse hilft sich die Bildungsindustrie vor allem selbst. Die Struwwelpeter unter Deutschlands Schülern wird das kaum beeindrucken. Und: Ein paar Kleinigkeiten werden im allgemeinen Bildungswahn verschwiegen. Es zahlt sich nämlich immer weniger aus, sich immer besser zu bilden. Hochgebildete sind zwar seltener und kürzer arbeitslos, haben bessere Zähne etc.etc., aber materiell kommen sie im Vergleich zu den Weniglernern nicht mehr so gut weg wie früher. Immer mehr lernen, und dann auch noch immer mehr Weiterbildung, das bringt vor allem mehr Arbeitsplatzsicherheit. Aber nicht notwendigerweise mehr Geld. Ein Lichtblick für die Männer: Frauen schneiden zwar allgemein besser ab in der Schule, aber die Bildungsrenditen für Jungs sind besser. Wenn sie einmal die Schule geschafft haben und das Studium, dann verdienen sie besser als Frauen.

Wer sich nun tröstet und denkt, dass die Kinder dann wenigstens von dem Bevölkerungsrückgang profitieren, könnte zwar recht haben. Aber wer hat eigentlich festgelegt, dass die Globalisierung vor dem Gehaltsniveau der heutigen Gutverdiener halt macht? Warum soll nicht für Erfindungsgeist, Dynamik und Fleiß dasselbe gelten wie für Textilien oder Spielzeug? Irgendwann wird auch das in Regionen besser und billiger hergestellt, die nicht in Europa liegen. Das wird auch den Bevölkerungsrückgang teilweise kompensieren.

So gibt es für die kleinen Struwwelpeters, die ab morgen wieder zu Schule gehen, nur die Gewissheit: Wer ordentlich lernt, lebt am Ende sicherer, besser und glücklicher. Aber dass immer mehr Bildung immer mehr Geld bringt – das ist eine Geschichte, die nur für die Bildungsdienstleister aufgeht. Für die Kinder kaum noch.

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