Ein Zwischenruf zur … : … Einbürgerung

Barbara John über Sprachtests und die abnehmende Attraktivität des deutschen Passes.

Barbara John

Der deutsche Pass ist derzeit kein Bestseller mehr bei Einwanderern. Ablesen lässt es sich an den schrumpfenden Einbürgerungszahlen, die im Jahr 2008 bundesweit wohl unter 100 000 gesunken sind. Es ist die niedrigste Zahl seit 18 Jahren. Diese Entwicklung erfasst auch Berlin: Nur 6842 Personen ließen sich einbürgern; fast tausend weniger als 2007. Die Geste der Kanzlerin, auf die Neubürger zuzugehen, kam also zur rechten Zeit.

Schon wird hier und da auch eine andere Melodie gesungen, das Kampflied gegen die angeblich zu hohen Anforderungen beim Sprachtest, der erst im August 2007 verbindlich in allen Bundesländern eingeführt wurde; in Berlin übrigens schon im Jahr 2000. Es heißt, viele Interessierte stellten erst gar nicht den Antrag auf Einbürgerung, weil sie Angst hätten, bei der Sprachprüfung durchzufallen. Nun tauchen wieder längst beantwortete grundsätzliche Fragen auf wie: Ist die Prüfungshürde nicht doch so hoch, dass sie abschrecken muss? Warum muss es überhaupt eine Deutschprüfung geben? Leben die Bewerber nicht schon seit vielen Jahren hier und sind auch ohne Sprachprüfung über die Runden gekommen?

Zu solchen Überlegungen fallen mir die unhaltbaren Zustände ein, unter denen in den neunziger Jahren eingebürgert wurde. Ich sehe noch die Ratsuchende mit einem amtlichen Brief vor mir, die von Mitarbeitern wissen wollte, was drin stände. Es war eine Nachricht vom Einbürgerungsamt: „Wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, das Sie nach Prüfung Ihres Antrages die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.“ Deutschtests waren damals bundesgesetzlich ausgeschlossen. Wer mindestens 15 Jahre in Deutschland lebte, so die Annahme, der hatte – einfach durch Zeitablauf – ausreichende Sprachkenntnisse zu haben. Welch eine Fahrlässigkeit! Die hohe Zahl von Fließend-Falschsprechern und Nichtverstehern gerade unter älteren eingebürgerten Einwanderern ist auch ein Produkt jener steinzeitlichen Sprachpolitik.

Wieder zurückzufallen hinter den heutigen Standard, hilft den einbürgerungsbereiten Ausländern nicht im Geringsten. Als Fazit bleibt: Die Bewerber brauchen keine Gefälligkeiten bei den Anforderungen. Sie wollen und können die Standards erfüllen, wie die hohe Bestehensquote von 86,5 Prozent zeigt. Was dagegen nicht passieren darf, ist, dass die spöttische Bemerkung eines Eingewanderten doch zutrifft: „In Deutschland kann man zwar Staatsbürger werden, aber nicht Deutscher!“

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