Ein Zwischenruf zur … : … Einwanderung

Einwanderer und Flüchtlinge reinlassen oder draußen lassen? Barbara John über die Lehren, die wir aus der verfehlten Gastarbeiteranwerbung ziehen.

Barbara John

Einwanderer und Flüchtlinge reinlassen oder draußen lassen? Diese Frage stellt sich die Politik in Deutschland seit Bestehen der Bundesrepublik bis heute. Gerade werden wieder Forderungen laut, Hochqualifizierte ins Land zu holen und Arbeitssuchende aus Nordafrika aufzunehmen. Zögern und Abwiegeln bei der Regierung. Bei den Grünen dagegen regt sich Engagement für die Bootsflüchtlinge mit den üblichen Heilsarmee-Argumenten. Und obwohl mehr als 60 Jahre Praxiserfahrung in Sachen Einwanderung hinter uns liegen, zeigt sich insgesamt ein Bild politischer Orientierungslosigkeit. Aber genau diese Erfahrungen könnten der Grund sein, dass bisher nicht die naheliegenden Schlussfolgerungen aus den Anfängerfehlern gezogen wurden. Die „Gastarbeiteranwerbung“ bis 1973 war ein Lehrstück, wie gerade nicht verfahren werden darf: Damals wurden viele ins Land geholt, in der naiven Gewissheit, die eingereisten Arbeitskräfte könnten ja alle zwei Jahre gegen „frische“ Arbeitsbrigaden zurückgeführt werden und sich auch freudig austauschen lassen. Wozu gibt es denn Gesetze? Dabei gilt doch überall auf der Welt: Wer es in der Fremde besser getroffen hat als in der alten Heimat, bleibt wo er ist.

Auch die großzügig aufgenommenen Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge versuchen nach dieser Devise zu leben, nachdem ihr Verfahren abgelehnt wurde oder der Bürgerkrieg längst beendet ist. Selbstverständlich kann es nicht heißen, dass, wer einmal deutschen Boden betreten hat, automatisch einen Daueraufenthalt bekommt. Die politische Konsequenz kann nur lauten: festgesetzte Quoten für Einwanderer. Keine Asylverfahren, die Jahre dauern oder gar von vornherein unbegründet sind. Dazu die volle Öffnung des Arbeitsmarktes statt der Sozialkassen. All das ist das genaue Gegenteil unserer deutschen Einwanderungspraxis (Aussiedler ausgenommen). So agieren aber erfolgreiche Einwanderungsländer wie Kanada oder Australien. Wer dort legal im Land lebt, gehört dann dazu und wird nicht wie bei uns viele Jahre ausländerrechtlich wie ein „Leibeigener“ und gesellschaftlich wie ein Eindringling behandelt.

Einwanderung lässt sich nicht perfekt steuern. Aber es lässt sich nüchtern und illusionslos einschätzen, wie Menschen sich verhalten als Einwanderer und als Einheimische. Wer Einwanderungsfragen so angeht, der wird Hochqualifizierten die Einwanderung anbieten, in begrenzter Zahl. Und nordafrikanische Arbeitssuchende in ihrem Land unterstützen durch kraftvolle Wirtschaftshilfen.

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