Ein Zwischenruf zur … : … Frauenbewegung

Derzeit streitet die selbst ernannte deutsche Frauenpäpstin Alice Schwarzer mit der Frauenministerin über Feminismus. War es eine fragwürdige oder eine durch und durch positive Kraft?

Barbara John

War es gar die „folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts“, wie Frau Schwarzer behauptet? Das sagt nun gar nichts über die Güteklasse. Folgenreich ist das denkbar falscheste Wort, denn es verschleiert mehr, als es offenlegt, und stellt die Frauenbewegung in eine Reihe mit politischen Kämpfen, die ebenfalls folgenreich waren, aber auf entsetzliche Art, beispielsweise der Nationalsozialismus. Die Frauenbewegung zeichnet etwas fundamental anderes aus: Sie ist die einzige unblutige Revolution, und die dauerhafteste. Allein das ist ihr entscheidendes Merkmal. Und es ist das Beste, was von einer sozialen Bewegung zu sagen ist. Gewiss, ihren couragierten Vordenkerinnen und Aktivistinnen hat sie anfänglich gesellschaftliche Ächtung eingebracht. Aber viele politische Strömungen, die zeitgleich herrschten, haben Leben vernichtet, natürlichen und kulturellen Lebensraum verwüstet, Hab und Gut zerstört. Typische Kennzeichen von angeblichen politischen Befreiungskämpfen, die allesamt von Männern veranstaltet wurden.

Es war die Frauenbewegung, die eine gerechtere und lebensfreundliche Welt geschaffen hat, ohne jede Gewalt. Damit kann sie punkten, übrigens gemeinsam mit den Männern, die sie dabei unterstützt haben. Ist das nicht die beste Empfehlung, Frauen weit mehr Verantwortung anzuvertrauen, als es bisher in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft üblich ist? Heute teilen ja bekanntlich noch die Männer den Löwenanteil der Macht unter sich auf. Weil sie klüger, leistungsstärker, belastbarer sind? Ende des Märchenzeitalters. Was sagen uns die zahlreichen Studien über Schulerfolge von Jungen und Mädchen? Sie offenbaren, dass die Jungen die eindeutigen schulischen Bildungsverlierer sind. Dennoch stellen sie später im Beruf die Chefs. Was macht die Welt so verkehrt? Es fängt schon in der Schule an, wo nachweisbar die Mädchen sich Wissen und Können aneignen, während die Jungen sich schon in Cliquenbildung trainieren, eine nützliche Fertigkeit, mit der später im Beruf gemeinsam weibliche Spitzenkräfte ausgebootet werden.

Im Frauenministerium gibt es neuerdings ein Referat „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“. Das hört sich nicht so an, als solle endlich das Geschlechterparadoxon aufgelöst werden, damit aus Bildungsgewinnerinnen auch mehr Berufsgewinnerinnen werden.

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