Ein Zwischenruf zur … : …Privatschule

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Zum neuen Schuljahr wird jedes dreizehnte Berliner Kind in eine Privatschule gehen, in Brandenburg ist es bereits jedes zehnte. Das sollte die beiden Länder freuen: Privatschüler haben im Großen und Ganzen bessere Schulergebnisse, und sie sind auch noch billiger als die Eleven, die eine staatliche Schule besuchen. Berlin spart im Jahr rund zweitausend Euro pro Schüler, in Brandenburg sind es bisher immerhin rund 500 Euro.

Doch Landespolitiker können sich nicht freuen, und deshalb tun sie es auch in diesem Fall nicht, im Gegenteil: Sie wollen ab 2012 den privaten Schulen die vorgeschriebenen Zuschüsse weiter zusammenstreichen. Je mehr Kinder Privatschulen besuchten, desto schlechter werde das Niveau der öffentlichen, jammern sie. Sie fürchten, dass sich die Kinder gebildeter Eltern dem öffentlichen Schulsystem entziehen und nur noch die Übriggebliebenen bleiben. Systematisch entmutigen die beiden rot-roten Landesregierungen deshalb die privaten Schulträger – obwohl sie gesetzlich verpflichtet sind, die Schulen gleich zu behandeln.

Soziale Segregation kann man nicht wollen, argumentieren sie. Da haben sie recht. Und doch tragen sie dazu bei, die Situation zu verschlimmern: Die Eltern vieler Privatschulkinder sind vermutlich bereit und auch in der Lage, mehr Schulgeld zu bezahlen. Wenn es Politikern aber wirklich darum geht, allen Schülern den Zugang zu guten Schulen offen zu halten, ist es kaum sinnvoll, einen höheren Anteil der Schulkosten zu privatisieren: je höher die Schulgebühr, desto exklusiver das Publikum.

Klüger wäre es, offensiv auf die positiven Effekte von Privatschulen für die Bildungslandschaft zu setzen. Stärker als jede Bildungspolitik, dynamischer als der eigene Ehrgeiz eines jeden Schulkollegiums, wirkt die Existenz von Privatschulen in der Nachbarschaft öffentlicher Schulen. Dort, wo sich öffentliche Schulen der – zu Recht oder zu Unrecht – attraktiven Konkurrenz privater Träger erwehren müssen, werden aus guten öffentlichen Schulen sehr gute öffentliche Schulen. Neue Lernmethoden, differenzierter Unterricht, Nachmittagsbetreuung durch die eigenen Lehrer: All das ist durch die Existenz von (meist privaten) Pionierschulen für die öffentlichen Schulen erst denkbar geworden. Privatschulen wirken wie eine Qualitätspeitsche für die Bildungsinstitute in der Umgebung. Das ist gut für alle, und das allein muss Grund genug sein, Privatschulen und öffentliche Anstalten gleich zu behandeln.

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