Ein Zwischenruf zur … : … Spendenfreude

Wem gehören die Armen? Dem Sozialstaat oder den vielen zivilen Samaritern, die ihnen mit sogennanten Tafeln, also Verteilstellen für kostenlose Lebensmittel, mit Kleiderkammern und Suppenküchen unter die Arme greifen? Die Frage drängt sich auf, weil neuerdings den modernen Wohltätern aus der Bürgergesellschaft vorgeworfen wird, sie würden mit ihren guten Absichten Schlechtes bewirken, nämlich den Staat entlasten, die Armen zu Bittstellern degradieren und ihre Rechtsansprüche auf großzügige Unterstützung untergraben.

Bei den Kritikern handelt es sich um Armutsexperten aus Verbänden, Wissenschaft und Politik. Ihre anklagenden Appelle haben zugenommen, seitdem die Zahl der Tafeln steigt – innerhalb von 15 Jahren von vier auf über 850. Eine zusätzliche Provokation bietet nun eine Discounter-Kette, die ihren Kunden bei der Flaschenrückgabe einen Spendenknopf anbietet; ein schneller Tastendruck und schon sammeln sich tausendfach täglich die Cents; in den vergangenen zwölf Monaten kam so eine Million Euro zusammen, die den Tafeln übergeben wurde. Damit wurden unter anderem Kühlschränke gekauft. Der Vorwurf lautet nun, die Firma erziele mit dem Geld ihrer Kunden ein nicht gerechtfertigtes soziales Image. Außerdem beute sie selbst ihre Angestellten durch harte Arbeitsbedingungen aus. Da mag viel dran sein; aber entwertet das automatisch die Spendenfreude der Kunden?

Es ist auch ein falsch, Spendern zu unterstellen, sie befürworteten, dass staatliche Transferleistungen angetastet werden, nur weil sie zusätzlich ein Scherflein beisteuern, um Not zu lindern. Wer Geld oder Zeit spendet, der weiß meistens aus eigener Erfahrung oder durch persönlichen Kontakt zu Bedürftigen, wie weh Geldknappheit und Hilflosigkeit tun kann.

Dass es auch in wohlhabenden Ländern Schwache und Arme gibt, ist kein Makel. Zu komplex sind die Ursachen, warum Menschen in ausweglos scheinende Lebenslagen geraten. Ein Makel ist es aber, wenn sie, versorgt mit dem monatlichen Regelsatz, von ihren Mitbürgern gar nicht mehr wahrgenommen werden, wenn sich niemand für sie interessiert, weil ja ein staatliches Amt für sie zuständig ist. Persönliche Nähe und Begegnung, Aufbau von Netzwerken fallen allerdings nicht in diese Zuständigkeit. Das ist oft anders bei den Tafeln. Und es liegt allein in der Entscheidung der Armen, solche Angebote anzunehmen. Sie bestimmen, was sie davon brauchen und sonst niemand.

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