Ein Zwischenruf zur … : … Sprachpolitik

Barbara John darüber, warum Deutsch zum Discountartikel werden sollte. Noch fehlen Deutschangebote im Ausland.

Barbara John

Die deutsche Sprache wird nun doch nicht unter den Schutz der Verfassung gestellt. Im Koalitionsvertrag jedenfalls findet sich kein Wort mehr dazu, Artikel 22 des Grundgesetzes um den folgenden Satz zu ergänzen: „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“. Und das, obwohl es im Vorfeld angekündigt worden war, die CDU es auf ihrem Parteitag im Dezember 2008 beschlossen hatte und auch die SPD schon Zustimmung signalisierte. Allen Befürwortern zum Trost: Selbst wenn die deutsche Sprache Verfassungsrang hätte, wäre es eine Würdigung von folgenloser Richtigkeit, eine Art Bundesverdienstkreuz.

Es gibt Wichtiges zu tun, nämlich die deutsche Sprache fürs Ausland zu einem Exportgut zu machen und im Inland zu einem hochwertigen Discountartikel für die vielen, die gutes Deutsch lernen wollen und müssen. Solche Ziele bleiben jedoch Stückwerk, wenn der Staat seine sprachpolitische Verantwortung schleifen lässt. In den Vertrag wurde geschrieben, was den Parteien an Binsenweisheiten gerade so einfiel, zum Beispiel, dass nicht nur Einwandererkinder vor der Einschulung „die deutsche Sprache beherrschen sollen“, sondern auch ihre Eltern Deutsch lernen sollten. Und das Herzstück der Sprachförderung des Bundes für Einwanderer, die Integrationskurse, will man stärken.

Gut so, aber sprachliche Innenpolitik muss viel mehr im Auge haben. Wer kümmert sich zum Beispiel an zentraler Stelle um die Qualität des schulischen Deutschunterrichts bundesweit? Niemand – 16 Bundesländer kochen ihr eigenes Sprachsüppchen. Und in Sachen Außenpolitik für die deutsche Sprache gibt es überhaupt keinen Küchenchef. Seit Jahren sinkt die weltweite Zahl der Deutschlerner. Dagegen boomen Englischkurse. Es soll vorkommen, dass auf Germanistiksymposien an Universitäten in GUS-Ländern Englisch als Konferenzsprache verwendet wird.

Wen wundert’s da noch, wenn hoch qualifizierte Fachkräfte, die auch wir dringend bräuchten, überwiegend in englischsprachige Länder auswandern. Künftig sollen sie, so sagt der Koalitionsvertrag, leichter als bisher nach Deutschland kommen dürfen – wenn sie Deutsch sprechen. Oje! Das wird nicht gutgehen. Gerade in Ländern mit Auswanderungspotenzial, dazu gehört auch Süd- und Ostasien, fehlen Deutschangebote an den Universitäten. Die Goethe-Institute und der Akademische Austauschdienst können die strategische Planung nicht ersetzen. Ohne Sprachpolitik aber wird es keine erfolgreiche Einwanderungspolitik geben.

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