Ein Zwischenruf zur… : …Treberhilfe

Barbara John

Harald Ehlert, der gerade beurlaubte, maserativerliebte Geschäftsführer der Treberhilfe, verstand sein Geschäft wohl so: vom staatlichen Kuchen von 186 Milliarden jährlich (bundesweit) für soziale Dienstleistungen ein immer größeres Stück zu bekommen. Das ist ihm auch gelungen. Aus kleinsten Anfängen – zu Beginn kümmerte sich eine Handvoll Ehrenamtlicher um wenige junge Obdachlose – wuchs der gemeinnützige Träger in 22 Jahren zu einem der großen Sozialunternehmen Berlins, das in halbseitigen Zeitungsanzeigen noch vor wenigen Wochen verkündete, allein im Jahr 2009 3923 Biografien gerettet zu haben. Eine erstaunliche Entwicklung: Was früher bei den Kirchen noch „Rette deine Seele“ hieß, hat nun den ganzen Menschen im Blick, seine Lebensgeschichte eingeschlossen.

Wäre es fair, solche Lebensrettungsleistungen völlig infrage zu stellen oder gar ins Lächerliche zu ziehen? Sicher nicht, denn wer weiß schon, wem und was wirklich geholfen hat? Und ist es nicht Aufgabe aller, Hilfen anzubieten für seelisch Gefährdete, Drogen- und Suchtabhängige, Straffällige, Kinder und Jugendliche mit Lern- und Erziehungsdefiziten, für Behinderte und viele weitere Gruppen? Dass sie inzwischen einen individuellen, gesetzlich verbürgten Anspruch darauf haben, ist ein klarer Anreiz, Hilfeleistungen professionell zu organisieren, wie es die freien Träger tun.

Aber es reicht nicht aus, staatliche Fürsorge einfach nur zu vergemeinnützigen in sozialen Vereinen und Gesellschaften. Das kann dazu führen, dass freie Träger sich vor allem dafür interessieren, was für sie als Organisation dabei herausspringt. Das wäre jämmerlich, denn sie haben eine enorme Verantwortung für unsere Gesellschaft aufgrund ihrer Erfahrungen und Ideale. Gerade wenn sich abzeichnet, dass soziale Probleme sich verschärfen und der staatliche Schutzschirm nicht mehr mitwachsen kann, klingt der sorgenvolle Ruf nach mehr Geld nur hohl.

Jetzt ist die Stunde der freien Träger für einen Ausbruch und Aufbruch: Weg von der ausschließlichen, aber nicht mehr leistbaren staatlichen Verantwortung für Hilfsbedürftige, hin zur Mitverantwortung der Bürgergesellschaft. Hilfe für Ältere, für Suchtgefährdete, für Kinder und Jugendliche wird schon heute durch Einbindung der kleinen und größeren Nachbarschaft und durch ehrenamtliche Mentoren wirksam und solide geleistet. Dieses Feld weiter zu beackern und die Bürgergesellschaft als stabiles Dauerrettungsboot auszurüsten, das ist heute der Auftrag der Wohlfahrt.

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