Einbürgerung : Feiertag für Migranten

Migranten feiern ihre Einbürgerung mit Angela Merkel im Kanzleramt. Die Regierungschefin sagt, sie wünscht sich mehr neue Deutsche. Tatsächlich werden es aber weniger. Doch an einem solchen Tag ist Kritik an der Regierung verfehlt. Ein Kommentar.

Ein Hauch von Scheinheiligkeit lag über dieser ersten Einbürgerungsfeier im Kanzleramt. Unter der Regierung Merkel ist es für Migranten mühsamer geworden, die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen, aber die Kanzlerin behauptet, sie wünsche sich mehr davon. Tatsächlich werden es weniger. So fordern Grüne und Teile der SPD, das Verfahren zu erleichtern. Aus der Union kommen Stimmen, denen Merkels Worte zu weit gehen. Doch die Kritik an der Regierung ist zum einen überzogen; so bestehen 97 Prozent der Migranten den umstrittenen Einbürgerungstest; zum anderen ist sie an diesem Tag verfehlt. Für viele Migranten ist die Einbürgerung einer der wichtigsten Momente im Leben – und einer der schwierigsten: Sie müssen sich von ihrer alten Staatsbürgerschaft trennen. Dieses Ereignis würdig zu feiern, entspricht dessen Bedeutung. Die Urkunde formlos zu überreichen wie eine Parkvignette, früher üblich, signalisiert Widerwillen und verstärkt das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Heute wird der Akt oft feierlich begleitet, und die neuen Deutschen freuen sich. Wenn Merkel mitfeiern will – umso besser. Vielleicht nimmt sie sich ja beim Wort. (lom)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben