Meinung : Eine disziplinarische Maßnahme

Zur Berichterstattung über den Fall der

Lehrerin Sarrazin

Frau Sarrazin ist seit Jahrzehnten Grundschullehrerin und meines Wissens ohne disziplinarisch zu beanstandende Mängel geblieben. Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem öffentlichen Auftreten ihres Mannes und dem Aufstand einiger Eltern und Vertreter des Landeselternausschusses gegen Frau Sarrazin lässt aufhorchen. Wenn heute Helmut Schmidt und Joachim Gauck das Verhalten der Politik und in diesem Zusammenhang auch der Medien beim Erscheinen des Buches von Thilo Sarrazin sehr kritisch betrachten, dürfte dies wohl begründet sein. Wie schnell Mobbingverhalten seine Anhänger findet, dürften viele Menschen schon einmal schmerzhaft erlebt haben. Wenn der Tagesspiegel heute die Verwaltung zitiert, die ein disziplinarisches Vorgehen gegen Frau Sarrazin nicht als gerechtfertigt ansieht, ist dies meines Erachtens kein Grund, diesen Vorgang in die Nähe eines Prozesses gegen einen rechtsradikalen Lehrer zu rücken. „In dubio pro reo“ hat auch für einen anspruchsvollen Journalismus zu gelten! Wohin geistige Brandstiftung führt, erleben die Vereinigten Staaten von Amerika gerade sehr schmerzhaft ...

Günter Krug, Berlin-Märkisches Viertel

Frau Sarrazin erzählt in Ihrem heutigen Interview, wie sie einmal zu einem Schüler etwas wie ,so, jetzt bist du mal das Opfer‘ gesagt hat. Der hatte krakeelt und dann, als er nicht aufhören wollte, was von einem anderen Schüler auf die Mütze bekommen, falls ich das mal so ausdrücken darf. Und dann beschweren sich die Eltern deswegen über sie. Naja, sie hat das Entsprechende dazu schon gesagt. Aber vielleicht könnten Sie einmal das sozusagen hysterisierte Verhalten von vielen Eltern gegenüber den Lehrern mit einem Beitrag darüber „würdigen“? Dieser Tage kam heraus, dass die kürzlich von ihrem Sohn in Brandenburg ermordeten Eltern ihn sogar zur Immatrikulation begleitet hätten. Neulich habe ich den stellvertretenden Direktor eines Berliner Gymnasiums gesprochen, der auch Latein unterrichtet. Vom Geständniszwang getrieben, erzählte ich ihm, dass ich in Latein meistens eine Fünf gehabt hätte. Nur einmal, als ich vielleicht eine Drei oder Vier in einer Klassenarbeit geschrieben hatte, habe der Lateinlehrer das mit dem schönen Spruch kommentiert: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Da meinte der Berliner Lateinlehrer: „Das würde heute gar nicht mehr gehen, da bekommen Sie es heute sofort mit den Eltern zu tun.“ Ich meine, das ist doch nicht zu fassen so etwas, finden Sie nicht?

Uwe-Jens Has, Berlin-Zehlendorf

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