Meinung : Eine haarige Angelegenheit Der Fall Friedman und

das Recht auf Nicht-Information

Christoph von Marschall

Erst wurden tagelang schlüpfrige Details der angeblichen Drogen- und Prostitutionsaffäre um Michel Friedman durch die Medien getragen. Jetzt will die Staatsanwaltschaft nicht einmal mehr das Ergebnis der Haarprobe bekannt geben, Informationssperre. Aus schlechtem Gewissen, weil die Ermittler zuvor zu viel geplaudert haben?

Es geht, wieder einmal, um die richtige Trennlinie zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen dem Informationsrecht der Gesellschaft und dem Recht auch von Prominenten auf Schutz der Persönlichkeit. Es unterscheidet Deutschland wohltuend von manchen anderen Demokratien, dass das Familien- und Liebesleben von Politikern als deren Privatsache gilt und nicht gegen deren Willen ausgebreitet wird, sofern sie es nicht selbst zuvor in die Medien getragen haben.

Diese Errungenschaft findet ihre Grenze, wo es um den begründeten Verdacht von Rechtsbruch geht. Die Öffentlichkeit – und in ihrer Vertretung die Journalisten – haben Anspruch darauf, über Ermittlungsverfahren gegen Politiker informiert zu werden. Die Unschuldsvermutung bis zum rechtskräftigen Urteil bedeutet nicht, dass über Ermittlungen und Prozesse geschwiegen werden muss.

Aber betrifft der Vorwurf, Friedman habe sich ukrainische Prostituierte zuführen lassen, nicht die Intimsphäre, die im Prinzip zu schützen ist? Eben das ist unklar. Niemand sollte sich öffentlich verantworten müssen, wenn er sich mit Prostituierten einlässt, die freiwillig im Gewerbe sind. Anders liegt der Fall, wenn es sich um Frauen handelt, die von Menschenhändlern gegen ihren Willen dazu gezwungen wurden – und wenn Friedman hätte wissen müssen, dass er Nutznießer dieser Straftat war. Und die Haarprobe, die angeblich ohne Friedmans Zustimmung genommen wurde? Deren Ergebnis darf eventuell aus anderem Grund vertraulich bleiben. Sie kann nur Auskunft geben, ob er Kokain konsumiert hat; den Verdacht des (strafbaren) Besitzes klärt sie nicht.

Ermittlungen von Straftaten interessieren die Öffentlichkeit zu Recht. Der Umgang mit Prostituierten gehört in der Regel nicht dazu, Kokainmissbrauch nur sehr eingeschränkt. Da sollten es auch die Medien mit der Neugier nicht übertreiben.

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