Meinung : Eine lässliche Sünde – und noch eine

BUNDESRECHNUNGSHOF PRÜFT GERSTER

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Es sieht nicht gut aus für Florian Gerster. Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA) hat nicht korrekt gehandelt, als er die Medienagentur WMP freihändig und ohne Ausschreibung damit beauftragte, das Image seiner Behörde aufzupolieren. Das stellt der Bundesrechungshof nun fest – und dessen Urteil hat Gewicht. Zwar vermeiden es die Prüfer, den Vorgang „rechtswidrig“ zu nennen. Suspekt ist ihnen aber offenbar, wie schwammig der Vertrag formuliert ist und wie wenig sich die BA um den korrekten Umgang mit dem Beitragsgeld geschert hat.

Für die Zukunft von Florian Gerster spielt die RechnungshofKritik aber nicht die entscheidende Rolle. Fehler und Ungenauigkeiten bei der Vergabe eines Auftrags im Wert von 1,3 Millionen Euro könnte man als lässliche Sünde werten – wäre seine Arbeit als Behördenchef ansonsten tadellos. Davon kann aber nicht die Rede sein. Bereits mehrfach ist Gerster negativ aufgefallen. Intern zum Beispiel, als er als neuer Chef von 90000 BA-Mitarbeitern jeden zweiten für überflüssig erklärte. Und extern etwa, als er sich seine Nürnberger Chefetage für 1,8 Millionen Euro renovieren ließ. Zudem kann man nicht behaupten, dass seit dem Amtsantritt Gersters eine Effizienzrevolution in der Behörde stattgefunden hätte. Vieles fügt sich zusammen, die WMP-Affäre ist nur ein weiteres Detail – all dies führt dazu, dass der Rückhalt Gersters schwindet. Der Umbau seiner Mammutbehörde in eine effiziente Dienstleistungsagentur wird ihm nur gelingen, wenn alle Verantwortlichen hinter ihm stehen, vom kleinen Sachbearbeiter im Arbeitsamt bis hin zum Bundeskanzler. Das ist aber nicht der Fall, und ändern wird sich daran wohl auch nichts mehr. Deshalb läuft Gersters Zeit ab. brö

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