Meinung : „Eine neue Aufgabe …

Ulrich Zawatka-Gerlach

… über die ich mich freue.“

Kommunikationsberater: Das ist genau der richtige Job für ihn. Ein Meister der „Public Affairs“ war Peter Strieder schon immer. Ab 1. August wird der ehemalige Berliner SPD-Landeschef und Stadtentwicklungssenator Unternehmen helfen, einen besseren Draht zur Politik zu finden. Der 52-Jährige, der richtig gern Politiker war, wechselt in die freie Wirtschaft, verliert aber seine große Leidenschaft nicht aus den Augen.

Bei der PR-Agentur ECC wird Strieder neue Unternehmensstrategien erfinden, die Public-PrivatePartnership ankurbeln und seinen Kunden erklären, wie Regierungspolitik funktioniert. Das hat er schließlich von der Pieke auf gelernt. Seit 1992 als Abgeordneter, Bezirksbürgermeister, Senator und Spitzenmann der Berliner SPD. Nur das Amt des Regierenden Bürgermeisters blieb dem knorrigen und schnoddrigen Franken, der Freund und Feind mit seiner oft schnöseligen Rechthaberei auf die Palme brachte, versperrt. Auch in der Bundespolitik wurde er nicht gebraucht.

Die Gefahr, in der politischen Sackgasse zu landen, war wohl der Grund, warum Strieder seit etwa zwei Jahren nach einem gut bezahlten Vorstandsjob in der öffentlichen oder privaten Wirtschaft gesucht hat. Der Parteifreund und Regierungschef Klaus Wowereit soll ihn dazu überredet haben, den Wechsel noch eine Weile hinauszuschieben. Denn Strieder, ob man ihn mag oder nicht, ist ein kluger Stratege und pfiffiger Taktiker, auch wenn nicht alle Ideen gut sind, mit denen er morgens aufwacht. Und die heimliche Suche nach neuer Arbeit, die er stets energisch dementierte, war wohl auch ziemlich schwierig. In der Immobilienbranche, bei Banken und der Deutschen Bahn hatte sich Strieder umgehört. Vergeblich.

Dann kam die Tempodrom-Affäre, über die der SPD-Mann nicht nur gestolpert, sondern tief gefallen ist. Kurz vor Ostern 2004 trat er von allen politischen Ämtern zurück, flüchtete in den Urlaub nach Spanien und in sein Wochenendhaus in der Prignitz. Dass aus einem selbstbestimmten, würdigen Abschied von der Politik nichts geworden ist, hat Strieder überraschend gut weggesteckt. „Jetzt bin ich wieder einfaches SPD-Mitglied“, rief er den Genossen auf dem Landesparteitag im Juni zu. Gut erholt, tief gebräunt und mit spitzbübischem Lachen. Den neuen Job hatte er damals schon in der Tasche, aber erst gestern freute er sich öffentlich „über die neuen unternehmerischen Aufgaben“. Ein Stehaufmännchen erster Güte.

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