Meinung : Eine Replik

„Das gute Amerika steht rechts“

vom 15. April

Thomas Speckmann zeichnet ein simples Schwarz-Weiß-Bild der amerikanischen Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg. Pauschal lautet sein Urteil: Die Republikaner sind gut, die Demokraten schlecht für Deutschland. Die vereinfachte Darstellung dieses Arguments kann allerdings niemanden, der sich ernsthaft mit der Geschichte der USA und insbesondere den transatlantischen Beziehungen befasst, kalt lassen. So erscheinen die letzten 60 Jahre stellenweise in völlig neuem historischen Licht: Der Demokrat Harry S. Truman etwa, so ist bei Speckmann zu lesen, trägt nicht nur Schuld an der Aufteilung Deutschlands, sondern er legte mit seiner Politik auch einen „nicht unbedeutenden Grundstein zum Kalten Krieg, dessen Front quer durch Deutschland verlief“.

Aber der Autor fährt in diesem Muster fort, schließlich gilt es zu belegen: Demokraten sind schlecht, Republikaner sind gut für Deutschland. Fakten, die nicht zu diesem Credo passen, werden einfach unterschlagen. So kommt es, dass weder der Marschall-Plan noch die Berliner Luftbrücke erwähnt werden. Denn es regierte in dieser Zeit der „linke“ Demokrat Truman im Weißen Haus.

Konsequent fährt Speckmann fort, indem er Jimmy Carter für die nachhaltige Destabilisierung des Nahen Ostens kritisiert und Bill Clinton vorwirft, weder die Konflikte zwischen Israel und den Palästinensern noch die auf dem Balkan gelöst zu haben. Dass Clintons republikanischer Amtsnachfolger George W. Bush auf beiden Baustellen ebenfalls nicht erfolgreich war? Schwamm drüber.

Die gesamten Probleme der internationalen Politik der letzten 60 Jahre scheinen, wenn man Speckmanns selbstbetitelte „historische Analyse“ liest, eine Schuld der verfehlten Politik demokratischer Präsidenten zu sein: Kalter Krieg, Vietnam, Nahost-Konflikt, Terrorismus, die Balkankriege. Die Schuldigen: Truman, Kennedy, Johnson, Carter, Clinton. Und trotzdem, stellt der Autor kopfschüttelnd fest, mögen die Deutschen Barack Obama.

In Deutschland waren und sind John F. Kennedy und Ronald Reagan, George H. W. Bush und Bill Clinton populär. Weniger beliebt waren und sind hingegen Lyndon B. Johnson und Richard Nixon sowie Jimmy Carter und George W. Bush. Das „gute Amerika“, steht mal rechts und mal links. Sowohl in der Wahrnehmung der Deutschen als auch in der historischen Analyse. So einfach, wie es sich Thomas Speckmann macht, sind weder die amerikanische Politik noch das Urteil der Deutschen.

Christian Semmler, Regionalwissenschaften Nordamerika, M.A.

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