Einheitsdenkmal in Berlin : Die Einheit – reif für ein Denkmal

Doch wo soll es stehen, woran genau soll es erinnern, was soll es zeigen?

Gerd Appenzeller

Manches erledigt sich durch Liegenlassen. Anderes kann man erst erledigen, wenn man es eine Weile hat liegen lassen. So wird es mit dem Denkmal der deutschen Einheit wohl gehen, über das der Deutsche Bundestag morgen debattieren und dessen Bau er anschließend fordern wird.

Vor sechs Jahren, am 9. November 2001, scheiterten noch der einzige frei gewählte, letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, und sein Unionsparteifreund Günter Nooke im Parlament mit dieser Idee am geballten Widerstand von SPD und PDS. Maizière und Nooke hatten zwar auch damals schon das Richtige gewollt, aber sie waren aus Sicht der roten Allianz eben nicht die Richtigen für einen solchen Vorschlag gewesen. Damals regierte im Bund Rot-Grün, die CDU übte sich in Opposition. Vielleicht war es 2001 auch einfach noch zu früh.

Nun ist alles anders. Nun will auch die Linke ein Einheitsdenkmal, allerdings nicht in Berlin, sondern in Leipzig. Wolfgang Thierse hingegen plädiert für Berlin, Bauminister Tiefensee, wie Thierse Sozialdemokrat, kann sich gar viele Denkmale, über das Land verteilt, vorstellen. Die Grünen mit ihrer Tendenz zum Grundsätzlichen machen differenzierte inhaltliche Vorgaben für die Gestaltung des Monumentes – der Freiheitsbewegungen in Osteuropa sei mitzugedenken.

Das Schöne an dieser nach Streit aussehenden Gemengelage ist, dass es für alles gute Argumente gibt und man sich deshalb wohl wird verständigen können. In Berlin fiel die Mauer, in Berlin gab es auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 die größte Demonstration in der Geschichte der DDR und danach war klar, dass die SED abgewickelt wird. Ohne die Leipziger Montagsdemonstrationen, ohne das zehntausendfache „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt“, wäre die friedliche Revolution nicht erfolgreich gewesen. Dessen muss in Leipzig selbstverständlich gedacht werden.

Und nichts spricht dagegen, in jeder deutschen Stadt, die das will, an den Tag des Mauerfalls mit einem Denkmal oder anders zu erinnern. Das geht, erstens, in unserem föderalen Staat den Bundestag nichts an und findet auch, zweitens, seit Jahrzehnten an vielen westdeutschen Plätzen statt, auf denen der berühmte Berliner Bär von Renée Sintenis schon zu Zeiten der Teilung an die Einheit der Nation gemahnte.

Richtig ist natürlich auch, dass der Sturz der SED-Diktatur nur vor einer historischen Folie zu erklären ist, auf der wir den niedergeschlagenen Volksaufstand vom 17. Juni 1953 genauso wie den in Ungarn 1956 und den Prager Frühling 1968 sehen, die polnische Gewerkschaft Solidarnosc und das Gesicht Michail Gorbatschows. Was wird von alledem am Ende eines Wettbewerbs bleiben? Vor allem dies: Die Kunst ist frei.

Und der Ort in Berlin? Vor dem Humboldt-Forum fordern die einen, am Reichstag andere, auf dem Alexanderplatz dritte. Was auch immer davon Wirklichkeit wird – unstrittig muss der Platz einen Bezug zu den Ereignissen vom 9. November 1989 haben. Und im Zentrum sollte er, bitte, auch zu finden sein.

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