Meinung : Einsam auf der Datenautobahn Die Worldcom-Pleite erschüttert die Hoffnung auf Aufschwung

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Von Corinna Visser

Der amerikanische Telekommunikationskonzern Worldcom hat Insolvenzantrag gestellt. Dieser Zusammenbruch übertrifft noch die Mega-Pleite des Energiehändlers Enron. Beide Unternehmen waren zu schnell gewachsen, bekamen Probleme mit der Finanzierung – und versuchten, die Schieflage durch Bilanzmanipulationen zu vertuschen. Sie haben das Vertrauen der Anleger in die großen amerikanischen Konzerne erschüttert – und gefährden zunehmend die Erholung der Weltwirtschaft insgesamt.

Immerhin handelt es sich bei Worldcom um die zweitgrößte US-Ferngesprächsgesellschaft und einen der größten Internet-Infrastrukturanbieter der Welt. Nach Global Crossing und KPN-Qwest ist Worldcom nun die dritte große Telekommunikationsgesellschaft, die Gläubigerschutz suchen musste. Drei Unternehmen, die für die großen Hoffnungen der US-Wirtschaft standen, sind gescheitert. Und nach der Worldcom-Pleite und den enttäuschenden Quartalszahlen vieler anderer Telekom- und Hightech-Werte fragen sich die Amerikaner immer kleinlauter, ob die Hoffnung auf den Aufschwung nicht ein bisschen verfrüht war.

Auch das Vertrauen in Aktien hat neuen Schaden genommen. Worldcom hat in den vergangenen knapp 20 Jahren eine fantastische Wachstumsgeschichte hingelegt. Finanziert mit Anleihen und eigenen Aktien – und dem festen Glauben der Anleger, dass es für das Wachstum keine Grenzen gibt. Dieselben Anleger, die sich nun mit Blick auf ihr Aktiendepot fragen, ob sie sich das nächste neue Auto noch leisten können.

Schlimmer noch: Die Worldcom-Pleite wird dem Ruf der Branche weiter schaden. Fast alle Telekommunikationskonzerne, die etwas auf sich halten, sind noch bis in das vergangene Jahr hinein auf der ganzen Welt auf große Einkaufstour gegangen – und haben Höchstpreise bezahlt. Viele haben das schnelle Wachstum intern nicht verkraftet.

Und: Heute übersteigen die Kapazitäten im Telekom-Markt die Nachfrage bei weitem. Worldcom hat sich – in mehr als einer Hinsicht – verrechnet. Die direkten Wettbewerber wird das zunächst einmal freuen: ein Konkurrent weniger am Markt. Weil es aber so viele Überkapazitäten gibt, müssen die Kunden nicht fürchten, dass die Preise erheblich anziehen werden. Künftig werden die Kunden sich aber genauer überlegen, wem sie noch vertrauen. Zuverlässigkeit und Seriosität werden als Verkaufsargument eine größere Rolle spielen. Davon könnten die alten Monopolisten profitieren. Als die Märkte liberalisiert wurden, hatten viele die Ex-Monopolisten totgesagt. Zwar ist die Krise an AT&T, Deutscher Telekom oder France Télécom nicht spurlos vorbeigegangen. Doch gerade in ihrem angestammten Festnetzgeschäft haben sie sich bisher gut gegen die neuen Herausforderer verteidigt. Sie zeigen: Totgesagte leben länger.

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