Einsatz in Afghanistan : Der Kredit ist verspielt

Der Kampf um die Köpfe – so ist er nicht zu gewinnen. Weder am Hindukusch noch daheim. Zu den militärischen Schulweisheiten gehört, dass das taktische Vorgehen das strategische Ziel nicht gefährden darf. Im Moment sind Bundeswehr und Verteidigungsminister auf dem besten, genauer dem schlechtesten Wege, diese Maxime zu ignorieren.

Michael Schmidt

In Afghanistan. Dort, wo die USA eingesehen haben, dass Terror sich nicht aus der Luft bekämpfen lässt, und wo die Nato ihre Taktik geändert hat und nicht mehr die Zahl getöteter Taliban Gradmesser des Erfolgs sein soll, sondern der Schutz von Zivilisten und die Unterstützung durch die afghanische Bevölkerung. Just in diesem Moment fordert der deutsche Kommandeur angesichts einer eher unklaren Bedrohungslage Luftunterstützung an und lässt zwei entführte Tanklastwagen bombardieren – in einer Situation, die es nahezu unmöglich macht, zivile Opfer auszuschließen. Wenn die Bundeswehr bei den Afghanen jemals einen gewissen Kredit ob ihres bislang eher zurückhaltenden Vorgehens genossen haben sollte, an diesem Freitag dürfte sie ihn verspielt haben.

In Berlin macht derweil Minister Jung alles falsch, was falsch zu machen ist. Dass der Einsatz auf Dauer nicht durchzuhalten ist, wenn die Einsicht in seinen Sinn weiter sinkt, ist Konsens. Jung aber behauptet diesen Sinn mehr, als dass er ihn mit Argumenten stark macht. Am liebsten unterfliegt er – Wahlkampf hin, Mandatsverlängerung her – das Wahrnehmungsradar der Öffentlichkeit. Und lässt dann auch noch jene Politiker im Regen stehen, die wahlkämpfend Überzeugungsarbeit leisten wollen: Wer eine Kurzinformation über einen Vorgang für angemessen hält, der in der Geschichte des Parlamentsarmee-Einsatzes ohne Beispiel ist, hat offenbar kein allzu ausgeprägtes Bedürfnis, dem Grundgesetzauftrag an die Parteien nachzukommen – und seinen Teil zur politischen Meinungsbildung beizutragen.

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