Einsatz in Afghanistan : Vertrauen für die Sicherheit

Nach dem jüngsten Anschlag mit drei toten Bundeswehrsoldaten ist die Führung besonders gefragt. Denn es gibt keine Alternative dazu, mit Afghanen zusammenzuarbeiten. Mit Vertrauen.

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Es war ein furchtbarer Anschlag. Junge deutsche Soldaten sind in Afghanistan gestorben, getötet von einem vermeintlich Verbündeten. Ein schlimmer Schlag für die Angehörigen, für die anderen Soldaten im Camp, für die ganze Truppe. Und: für das Vertrauen. Denn die Schüsse gab ein Partner ab. Kann ich meinem afghanischen Kollegen noch trauen? Viele, die im Einsatz sind, werden sich das jetzt fragen. Ähnliche Gedanken werden jene bewegen, die dort Freunde und Verwandte haben oder selbst demnächst nach Kundus gehen. Das ist eine verständliche, menschliche Reaktion in einer ohnehin gefährlichen Situation. Jetzt ist die Führung besonders gefragt. Denn es gibt keine Alternative dazu, mit Afghanen zusammenzuarbeiten. Mit Vertrauen.

Das wissen die Verantwortlichen. Doch was sie heute als so selbstverständlich darstellen, haben auch viele in den oberen Befehlsetagen lange anders gesehen. Vielen galten die Afghanen als ineffektiv, zu langsam, ohne das, was ein Deutscher für Pflichtbewusstsein hält. Das machen wir selbst besser und schneller, war oft die Devise. Auch viele Afghanen haben gemerkt, dass ihnen nichts zugetraut wird. Erst nach und nach hat sich international die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Übergabe der Verantwortung in afghanische Hände nur gelingen kann, wenn gemeinsam an einem Ziel gearbeitet wird. Auch das Ziel hat sich bekanntlich in den vergangenen Jahren immer wieder geändert. Es wäre vermessen zu glauben, dass die Ressentiments komplett verschwunden sind. Auf internationaler wie auf afghanischer Seite.

Natürlich bietet das gemeinsame Arbeiten ein Einfallstor für Attentäter wie jetzt in Kundus. Aber: Sie stellen nicht die Mehrheit der Menschen dort. Zu glauben, dass es helfen würde, sich jetzt abzuschotten, wäre Unsinn. Es gibt in diesem Einsatz keine andere Möglichkeit, als zusammen für den Frieden zu arbeiten. Die Kunst der Führung wird darin liegen, den verunsicherten Soldaten und ihren Angehörigen Vertrauen wiederzugeben.

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