Meinung : Einsatz in Manhattan

Amerikaner und Briten wollen eine UN-Resolution für den Irak

Moritz Schuller

Noch hilft Saddam Hussein den Amerikanern: als Phantom. Solange der Diktator lebt, fragt keiner, warum täglich amerikanische Soldaten im Irak sterben. Der Krieg ist nicht zu Ende, sagen die Amerikaner schlicht; erst wenn Saddam tot oder gefangen ist, wird aller Widerstand gebrochen sein. Und deshalb haben US-Spezialeinheiten nach eigenen Angaben den Kreis um den Flüchtenden wieder enger gezogen.

Doch wer hilft den Amerikanern, wenn Saddam gefasst ist und die Anschläge – wie nach dem Tod der Söhne – noch immer nicht aufhören wollen? Wenn der Irak, oder wenigstens Teile des Landes, sich weiter wehren? Die Antwort der Amerikaner lautet: Dann helfen die Verbündeten. Deshalb bereiten sie zusammen mit den Briten eine UN-Resolution vor, die anderen Staaten eine Beteiligung an der Friedenssicherung und dem Wiederaufbau des Landes erleichtern soll.

Das alte Europa kann sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Supermacht, die zuletzt alles allein machen wollte, beginnt zu Kreuze zu kriechen. Das stolze Frankreich und das große Russland werden den Offenbarungseid der Amerikaner, denn das wäre eine neue UN-Resolution aus Manhattan, mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Und sich zieren und Bedingungen stellen und mit ihren Stimmen pokern – genau wie vor dem Krieg.

Doch irgendwann werden sich Chirac, Putin und auch Schröder offenbaren müssen: ob sie helfen wollen. Nicht dabei, angeblich das Öl des Irak zu plündern oder eine neue Weltordnung aufzubauen. Sondern beim Aufbau eines demokratischen Irak. Die politischen Ziele bei diesem Unternehmen sind in der Zwischenzeit kleiner und auch weniger zweifelhaft geworden; der politische Ertrag, um den es geht, ist eher gewachsen.

Zur Bewertung des schnellen Siegs der Amerikaner und ihres langsamen Scheiterns im Irak werden noch immer die Vokriegsparameter herangezogen. Mit einer neuen UN-Resolution, also dem Angebot, den Einsatz im Irak künftig breiter zu legitimieren, würde sich das ändern. Ihr könnten sich gerade jene nicht verschließen, die lange auf eine UN-Beteiligung gedrängt – und die isolationistische Politik Amerikas kritisiert hatten. Erneut ständen die Europäer vor der Entscheidung, ob sie bereit sind, Menschenleben im Irak aufs Spiel zu setzen. Denn selbst wenn die UN-Truppe sich auf zivile Aufbauarbeit beschränkte, wäre sie den Heckenschützen ebenso ausgesetzt wie die amerikanischen Soldaten. Warum die Europäer das tun sollten, müssen die Amerikaner ihnen noch erklären. Die Antwort auf einen solchen Hilferuf ist jedoch ungleich schwieriger als alle Antworten, die Europa bisher zum Thema Irak gefunden hat.

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