Ein Zwischenruf zu den … : …Piraten

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Die Freude der Alt-68er war beträchtlich. Wenn Autoritäten infrage gestellt oder Konventionen attackiert werden, sind die ergrauten Freunde der Revolution immer noch gern dabei. Sie finden die Piratenpartei und ihren Erfolg bei den Berliner Wahlen ganz, ganz toll. Das ist merkwürdig. Der Einzug dieser Gruppierung in das Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Wochenende ist ein Sieg für die Demokratie. Aber er ist auch eine Niederlage für alles, für das die 68er und die Babyboomer stehen. Es ist kaum zu glauben, wie naiv und fröhlich die Älteren die Kampfansage der Jungen mit dem Satz „Die sind wie wir damals“ willkommen heißen. Sie nicken sogar beifällig, wenn die Jungen nach der Abschaffung des Copyrights und der Urheberrechte verlangen. Das ist die Einrichtung, von der nicht nur Maschinenbauer, Erfinder und Wissenschaftler, sondern auch viele der Feuilletonisten leben, die die Piraten so klasse finden.

Sie haben nichts zu befürchten, glauben sie. Da täuschen sie sich. Überstimmt werden können die 45- bis 65-Jährigen zwar tatsächlich nicht. Bis zu ihrem Tod werden sie ihre Interessen demokratisch durchsetzen können, einfach, weil sie in der Mehrheit sind. Das gilt jedenfalls auf der Bundesebene. Doch in den Städten sieht das ganz anders aus: Die Jungen bleiben nicht mehr auf dem Land. Sie ziehen in die Stadt, in Viertel, wo schon viele von ihnen sind.

Auf der lokalen Ebene der Großstädte werden sie ihre Interessen durchsetzen. Da geht es nicht nur um die Frage, ob man in den Parks öfter mal unbehelligt einen Joint durchziehen darf und ob Kinder auch daran schnuppern dürfen. Am Ende geht es darum, in welche Wohnviertel öffentliche Investitionen fließen, in welchen städtischen Quartieren der Nahverkehr erhalten bleibt und ob man zur Finanzierung an den kommunalen Steuerschrauben drehen kann. Die Freude über den Erfolg der Piraten wird sich auch bei denen schnell legen, die sie jetzt so euphorisch begrüßen. Vielleicht wird man irgendwann beginnen müssen, sie ernst zu nehmen. Jedenfalls aber müssen die Älteren zur Kenntnis nehmen, dass ihre Kinder ein anderes Land wollen. Und dass sie in den Großstädten anfangen, es einzurichten.

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