Ein Zwischenruf zu den … : … Politikern

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Wenn in diesen Tagen echte Politiker echte Menschen treffen, schlägt den Volksvertretern die ganze Verachtung des Stammtischs entgegen. Nichts hätten sie zustande gebracht in den vergangenen Monaten. Und die Banken hätten sie dann auch noch laufen lassen.

Die Verachtung trifft die Politiker zu Recht. Aber nicht, weil sie die Banken haben laufen lassen. Und auch nicht, weil sie nichts zustande gebracht haben. Doch Angela Merkel und Wolfgang Schäuble, Philipp Rösler und Frank-Walter Steinmeier haben es versäumt, dem Souverän zu erklären, was sie da tun, warum sie es tun, und warum manchmal heute etwas anderes richtig sein kann als gestern. Sie haben jede ihrer Neuorientierungen, jeden Rettungsplan, jede neue Konferenz unters Volk gebracht, als gehe es hier nur um die Fortsetzung des Alten. Das nimmt der Bürger aus zwei Gründen übel. Erstens möchte er nicht, dass immer mehr vom Gleichen getan wird. Und außerdem ahnt er, dass das gar nicht stimmt: Er fühlt sich nicht ernst genommen, nicht respektiert, machtlos.

Die Bundeskanzlerin, der griechische Ministerpräsident, Nicolas Sarkozy, sie haben vergessen, dem Volk gegenüber Rechenschaft abzulegen. Sie hatten einfach keine Minute dafür übrig. Sie behandeln jeden, der danach fragt, wie einen Irren. Ob man denn nicht wüsste, was auf dem Spiel steht? Sie hetzen von einem Gipfel zum nächsten, arbeiten Tag und Nacht. Und wer dankt es ihnen? Niemand.

Sie selbst wissen offenbar auch nicht, was auf dem Spiel steht. Europa mag jahrzehntelang ein Elitenprojekt gewesen sein, das dem einfachen Bürger egal war. Das hat sich geändert. Europa ist jetzt ein Elitenprojekt, das man dem gemeinen Bürger plausibel machen, für das man ihn werben muss.

Warum hätten viele Deutsche heute gern Helmut Schmidt wieder zum Bundeskanzler? Weil der Altbundeskanzler scheinbar endlos Zeit hat, den Bürgern in schlichten Worten die Realität – und noch viel mehr – zu erklären. Bei ihm will es niemandem auffallen, wenn er innerhalb von zwei Wochen unterschiedliche Positionen, etwa zur Griechenrettung vertritt. Würde dagegen Angela Merkel zwei Wochen lang dieselbe Position zur Euro-Rettung haben, würde das auch niemandem auffallen. Das ist der Schaden, der für die politische Kultur entstanden ist.

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