Ein Zwischenruf zu … : … guten Beziehungen

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Banker haben jahrelang Zinssätze manipuliert, um sich selbst reicher und andere ärmer zu machen. Natürlich sind nun alle zu Recht empört. Sie empfinden Rücktritte wie den des Barclays-Chefs als überfällig. Die Politiker geißeln die mangelnde Moral der Banker.

Nur, warum passiert es immer wieder? Wie kann es sein, dass hoch entwickelte demokratische Staaten nicht in der Lage sind, ein paar außer Rand und Band geratene Banker unter Kontrolle zu bringen? Die Wahrheit ist: Sie wollen es nicht. Die Empörung ist gespielt. Die Banken sollen bitte in ihrem Geschäft fortfahren, damit auch die Politik in ihrem Geschäft fortfahren kann. Schön wäre es, wenn alles im Rahmen des Erlaubten bliebe. Wenn das nicht möglich sein sollte, lässt man auch mal fünf gerade sein.

Die Finanzwirtschaft ist der letzte Wirtschaftszweig, in dem Großbritannien weltweit eine führende Rolle spielt. Damit die Folgen der Finanz- und Staatsschuldenkrise tatsächlich bewältigt werden können, müsste die Finanzwirtschaft leider schrumpfen. England will dafür sorgen, dass die Banken möglichst in Frankfurt, Amsterdam, Asien und den USA schrumpfen, in London dagegen nicht. Wohl auch deshalb ist die britische Finanzaufsicht eher unwillig Hinweisen auf manipulierte Zinssätze nachgegangen. Andere Finanzplätze sind wiederum daran interessiert, dass die Finanzbranche im eigenen Land bleibt und Steuern zahlt, an den anderen Standorten dagegen rasch auf ein vernünftiges Maß zurückgeschnitten wird.

Skandale wie den der vergangenen Woche wird es immer wieder geben, solange die Finanzpolitiker Standortpolitik wichtiger finden, als klare Regeln zu setzen und durchzusetzen. Grenzüberschreitungen werden so lange an der Tagesordnung bleiben, wie die Politiker die Banken zum Überleben in der Schuldenkrise brauchen und die Banken die Politiker zum Wegräumen der Trümmerhaufen. Warum sollte sich eine der beiden Seiten ausgerechnet jetzt dem Geschäft verweigern? Lieber drückt man die Augen zu. Und empört sich bei Bedarf immer mal wieder gewaltig.

Die Staaten brauchen die Banken als Gläubiger, weil sie mit den Ausgaben die Wähler beglücken wollen oder doch zumindest alte Schulden in neue umwandeln können. Die Banken brauchen die Schuldner, weil sie mit den Bonds spekulieren wollen. Das ist ein Geschäft zulasten Dritter, der Steuerzahler. Die kommen dafür auf, wenn es schiefgeht.

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