Ein Zwischenruf zum … : …Bundespräsidenten

Der Traum von den Besten an der Spitze des Staates ist eine Form der Selbstchloroformierung

Barbara John

Wer bekommt welches Amt? Für viele ist das immer noch die wichtigste und interessanteste politische Frage. Eine uralte Frage, über die sich schon Platon um 370 vor unserer Zeitrechnung den Kopf zermartert hat. Seine Antwort schien plausibel: Der Beste sollte das Amt haben, sollte herrschen. Und nun kommt das Allerverrückteste: Noch heute glauben das die meisten Bürger, gerade auch in den Demokratien. Wir erleben es ganz aktuell beim Auswahlpoker und Medienrummel um den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Endlich Gauck, wird allerorts geschwärmt, endlich der Beste. Doch mir geht es gar nicht um die Person. Joachim Gauck wird schon zeigen, was in ihm steckt. Mir geht es nach all dem Hype um die falsche, ja gefährliche Illusion von der politischen Bestenauslese. Wie soll das funktionieren? Etwa indem die Auswahlgremien vom omnipotenten Weltgeist erleuchtet werden? Und wer für den Besten gehalten wird, kann der nicht im Amt schlechter werden (Nixon)? Kann nicht schon allein der verständliche, aber irreale Wunsch, es sollten doch die Besten an der Spitze stehen, Größenwahn auslösen, bei Diktatoren sowieso, bei gesalbten Häuptern, aber auch bei demokratisch Gewählten? Selbst die lehnen das Bestenprinzip fast nie eindeutig ab. Warum wohl verraten sie uns ab und zu, dass sie „auch nur ein Mensch“ sind? Sie tun es immer dann, wenn sie in amtlichen Schwierigkeiten stecken oder Erwartungen dämpfen wollen. Ist das nicht der Fall, bleiben solche Demutsbezeugungen aus.

Vergessen wir also die Idee von den Supermenschen in hohen Ämtern. Es gibt sie nicht. Dass wir dennoch versuchen sollten, geeignete Politiker zu wählen, versteht sich von selbst. Aber weil das immer wieder schiefgehen kann, haben wir ja längst Verfahren gefunden, unsere Irrtümer zu korrigieren durch öffentliche Kritik und Druck zum Rücktritt (von Guttenberg), durch Wahlen, durch juristische Prozesse (Wulff). Wie schon der große Karl Popper uns lehrte, ist es eben doch die entscheidende Aufgabe, unsere Gesellschaft immer erkennbarer so zu organisieren, dass wir schlechte Politiker bei Zeiten wieder loswerden, statt von den Besten zu träumen und uns damit politisch zu chloroformieren.

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