Ein Zwischenruf zum … : … Heiratsnachzug

Heiraten, wen man will, ist ein Menschenrecht. Doch muss man von nachziehenden Ehepartnern Deutschkenntnisse verlangen? Eine neue Studie hat die Ergebnisse untersucht.

Barbara John

Als die Staatsministerin für Integration und Flüchtlinge, Maria Böhmer, im Jahr 2007 die Türkei besuchte, titelte eine türkische Zeitung: „Die Ministerin, die Bräute weinen lässt“. Es war das Jahr, in dem Deutschland plötzlich von nachziehenden Ehepartnern forderte: Einreise nur mit Deutschkenntnissen.

Das kam nicht aus heiterem Himmel. Vorgeprescht waren schon die Niederlande. Dort hatten Pim Fortuyn (ermordet 2002) und sein Gesinnungsnachfolger Geert Wilders massiv Ängste geschürt vor mehr Zuwanderung aus muslimischen Ländern. In Deutschland waren es Berichte über Zwangsheiraten, der „Ehrenmord“ an Hatun Sürücü und die immerwährende Aufregung über den Heiratsnachzug junger Frauen aus der Türkei. Sie seien verantwortlich, dass die sprachliche und kulturelle Integration auch 34 Jahre nach dem Anwerbestopp wieder und wieder von vorn beginne.

Heiraten, wen man will, ist ein Menschenrecht; aber ein Menschenrecht auf eine bedingungslose Einwanderung als Ehepartner, das war vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg noch nicht eingeklagt worden. Und so wurde Ehepartnern aus Ländern mit Visumszwang Mitte 2007 auferlegt, vor der Einreise einfache Deutschkenntnisse in einer Prüfung nachzuweisen. Dann, so die Hoffnung, würden die Zahlen schrumpfen und der Bildungsgrad der Brautleute steigen.

Nach fast fünf Jahren sieht das tatsächliche Ergebnis gemischt aus, wie eine vergleichende Studie aus der Radboud-Universität in Nimwegen zeigt. Ja, es gibt weniger Heiratsnachzug. Weltweit kamen noch knapp 32 000 Visumspflichtige im Jahr 2010 nach Deutschland, davon 6 610 direkt aus der Türkei, 2006 waren es noch zehntausend mehr, darunter 10 200 türkische Zuzügler. Bremst also die Sprachhürde das Heiraten über Ländergrenzen? Kaum. Schon vor 2007 gingen die Zahlen jährlich zurück.

Bewegen sich nun die Frischverheirateten selbstbestimmter in der Familie ihres Partners? Schließlich sollten sie nun sprachlich selbstständiger sein und das Haus ohne „Schutz“ verlassen können. Auch hier eher nein. Dazu reicht das bisschen Deutsch nicht. Doch hier angekommen, sind sie ehrgeizig entschlossen, ihr Wissen zu mehren in den Integrationskursen. Aus weinenden sind keine lachenden Bräute geworden. Aber vielleicht doch stärkere?

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