Ein Zwischenruf zum … : … Mindestlohn

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Wer arbeitet, soll von seiner Hände Arbeit leben können. Das ist Konsens bei den Verhandlern von SPD und Union. Ein Satz, der so gut klingt, dass ihn nahezu jeder unterschreiben will. Deshalb wollen die Unterhändler einen Mindestlohn beschließen, der so um die 8,50 Euro liegen soll. Wie gerne würde man diese gute Sache unterstützen! Und wie falsch wäre es, das zu tun.

Wer sagt, dass würdige Arbeit erst da anfängt, wo sie ihren Mann oder ihre Frau ernährt, verkennt ein paar Dinge. Erstens übersieht er den Wert von Arbeit. Arbeit ist an sich würdig. Wer arbeitet, füllt sein Leben mit Sinn. Er arbeitet in gesellschaftlichen Bezügen, steht für die Arbeit regelmäßig auf, trifft Kollegen und Vorgesetzte. Arbeit ist für die meisten Erwachsenen im Land ein zentraler Ort des Austauschs, des Miteinanders, der Teilhabe.

Zweitens: Wenn Arbeit an sich würdig ist, dann ist sie auch dann würdig, wenn sie schlecht bezahlt wird. Unwürdig verhält sich hier der Arbeitgeber, wenn er den Wert der Arbeit nicht angemessen vergütet. Dafür muss er bestraft werden – durch eine Klage wegen sittenwidriger Beschäftigung, oder dadurch, dass er keine Mitarbeiter mehr findet.

Drittens. Viele Menschen erwirtschaften in einer Stunde keinen Gegenwert von 8,50 Euro. Zwingt man ihre Arbeitgeber, ein solchen Mindestlohn zu zahlen, vernichtet man ihre Jobs. Oder man drängt legale Arbeit in die Schwarzarbeit.

Ob ein Mindestlohn so wirkt, hängt natürlich von der Höhe ab. Aber kann man sich vorstellen, dass ein Lehrling im ersten Ausbildungsjahr tatsächlich monatlich für rund 1300 Euro Werte schafft, plus Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungen? Nimmt im Ernst jemand an, dass ein schlecht qualifizierter Langzeitarbeitsloser aus dem Stand dieselbe Summe verdienen kann? Was ist mit Behinderten, ganz jungen, ganz alten oder beeinträchtigten Menschen?

Niemand weiß, wie das gesellschaftliche Großexperiment Mindestlohn ausgehen wird. Aber vieles spricht für die Annahme, dass hier gut gemeint am Ende schlecht gemacht ist. Ausgerechnet die Würde derjenigen ist in Gefahr, die heute von ihrer eigenen Hände Arbeit nicht leben können. Sie werden an den Rand und in die Illegalität, in Teilzeitjobs oder in Arbeitsstunden gedrängt, die 90 Minuten und mehr dauern.

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