Ein Zwischenruf zum Rettungspaket : Der Preis ist zu hoch

Am Ende geht es darum, ob das globale Finanzsystem durch die Rettungsoperationen am Euro tatsächlich langfristig solide wird. Die Aussichten dafür sinken mit jedem Tag.

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Das zweite Rettungspaket für Griechenland soll am Montag im Bundestag verabschiedet werden. Noch haben die Parlamentarier nicht abgestimmt, da wird schon am Erfolg gezweifelt. Es gebe keine Erfolgsgarantie, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Möglicherweise müsse man noch ein drittes Mal helfen, meint der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. Die EU-Kommission glaubt ohnehin, dass man den Rettungsschirm noch einmal deutlich ausweiten muss, damit er wirken kann. Doch sicherer geworden ist der Euro dadurch nicht. Im Gegenteil.

Zwar haben sich Italien und Spanien stabilisiert. Doch für Griechenland und Portugal gilt das nicht. Zwar haben sich die Wirtschaftsaussichten für Deutschland nicht weiter verschlechtert – doch die gesamte Eurozone wird in diesem Jahr eine Rezession erleben. Zwar zeigen Börse und Bondmarkt freundliche Tendenzen – doch die sind vor allem dem billigen Geld geschuldet, mit dem die Europäische Zentralbank die Banken unter Wasser setzt. Zwar scheinen sich die Händler an den Finanzmärkten erst einmal zufriedenzugeben – doch wie lange der Frieden währt, darauf mag keiner eine Wette machen.

Die Krise der vergangenen Monate wurde mit denselben Mitteln bekämpft, die sie ausgelöst haben: Die Zentralbanken in den USA und Europa geben den Banken unbegrenzten Zugang zu billigem Geld, die Regierungen stellen ungedeckte Schecks auf die Zukunft aus. In diesem Verfahren liegt der Keim für die nächste Krise: Schon jetzt sind Wirtschaftsexperten zu Recht besorgt, dass die Aktienkurse in den USA in den vergangenen Monaten zu steil angestiegen seien. Schon jetzt kann man betrachten, wie die Immobilienpreise in den Großstädten Deutschlands zu schnell wachsen. Und vor allem: Schon jetzt sieht man auch auf den Rohstoffmärkten, dass zu viel Geld auf den Finanzmärkten eine zwingende Konsequenz hat: rapiden Preisanstieg.

Der Preis für die Griechenland-Rettungspakete, für die Stabilisierung des Euro und des Weltfinanzsystems ist höher, als es auf den ersten Blick scheint. Es geht nicht nur um direkte Verpflichtungen aus zwei oder drei Rettungpaketen und um den Umfang des Rettungsschirms. Am Ende geht es darum, ob das globale Finanzsystem durch die Rettungsoperationen am Euro tatsächlich langfristig solide wird. Die Aussichten dafür sinken mit jedem Tag.

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