Ein Zwischenruf zur … : …Einwanderung

Barbara John

Mit der sich langsam mausernden rot-schwarzen Regierungskoalition in Berlin nimmt auch die Integrationsfrage wieder Fahrt auf. Gemeinsame Ziele und Taten müssen her. Aber welche? Doch wohl solche, die jetzt notwendig sind. Und das ist nicht schwer zu identifizieren, nämlich gute Schulabschlüsse für mehr Kinder aus Einwandererfamilien, Arbeit beziehungsweise Ausbildung für Jugendliche statt Stütze und mehr qualifizierte Einwanderung. Was nun nach der ersten Verhandlungsrunde auf dem Tisch liegt, ist noch zu richtungslos. Substanz und Klarheit fehlen. Die werden auch nicht herbeigezaubert durch die ehrgeizige Überschrift: Berlin – europäische Modellstadt für Integration und Einwanderung. Gefällt mir zwar als ein prominentes Markenzeichen. Nur: Ein Modell muss neben der Ausstrahlung etwas haben, was anderen noch fehlt. Da reichen nicht die Stadtteilmütter und Integrationslotsen, auch wenn sie viel Gutes tun. Der geplante Lehrstuhl für islamische Theologie hat schon mehr Gewicht. Berlin ist ja bisher das einzige Bundesland, in dem islamischer Religionsunterricht (nicht nur Religionskunde) an Schulen erteilt wird. Wo die Lehrer ausgebildet wurden, die bei der Islamischen Föderation arbeiten, war der Stadt lange schnuppe. Noch viel notwendiger ist allerdings eine Professur für Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Berliner Einwandererkinder rangieren beim Deutscherwerb auf den hinteren Plätzen, auch weil an den Universitäten dafür keine Lehrstühle eingerichtet wurden. Kein Lehrstuhl, keine Forschung.

Berlin braucht mehr kluge, gut ausgebildete Köpfe. Die sind auch schon da, zu Tausenden, und haben sogar einen Studienabschluss hier erworben in deutscher Sprache. Aber bleiben dürfen sie als ausländische Uni-Absolventen nur unter engen Voraussetzungen. Für diese große Gruppe eine Bundesratsinitiative zu starten, das wäre modellhafte, originelle und effektive Einwanderungspolitik. Ja, da gibt es auch noch die den Aufenthalt entscheidende „Willkommensbehörde“ (Ausländerbehörde). Gefürchtet, weil noch zu wenig einwanderungsorientiert handelnd, braucht sie gerade jetzt mehr Personal. Denn seit es elektronische Aufenthaltstitel gibt, dauert alles wieder ewig oder geht gar nicht. Willkommen in der Einwanderungsstadt Berlin.

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