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Ein Zwischenruf zur Energiewende : Das grüne Dilemma

10.06.2012 00:00 Uhrvon

Der Atomausstieg war der Triumph der politischen Umweltbewegung. Die Energiewende auszuhalten, wird ihre größte Herausforderung.

Seit ein paar Tagen liegt der neue Energiewegeplan vor. Das ist die Deutschlandkarte, auf der man ablesen kann, ob man sich weiterhin fröhlich zur Energiewende bekennen kann. Oder ob man in einer Gegend wohnt, in der demnächst womöglich eine dicke Stromtrasse gebaut werden soll. Dann muss man sich entscheiden: Wenn man weiter für die schnelle Energiewende eintritt, muss man Einbußen in der persönlichen Lebensqualität hinnehmen. Oder man findet die Energie-Sache doch nicht so dringlich.

In diesem Dilemma stecken nicht nur betroffene Bürger. Auch die alternativen Parteien, die Naturschutzverbände und die Atomgegner werden sich entscheiden müssen.

Energiewende geht nämlich so: Im Norden wird künftig wahrscheinlich eine Menge Strom aus regenerativen Energien hergestellt, der aber dort gar nicht gebraucht wird. Im Süden des Landes wird er gebraucht, dort weht aber nicht genug Wind. Deshalb müssen Trassen gebaut werden, wenn man tatsächlich auf Atomkraftwerke und auf Strom aus fossilen Energien verzichten will. Deshalb sind zwar heute alle für die Energiewende: Nur die einen sind mehr dafür, die anderen immer weniger.

Für die Verfahren zu Planung, Genehmigung und Bau ist das lästig, weil sie länger dauern werden. Das könnte die Energiewende verzögern und dem Klimaschutz schaden. Ärgerlich ist es auch für die alternative politische Szene. Sie muss irgendwann in den nächsten Jahren Prioritäten setzen. Was ist wichtiger: Wählerschutz, Klimaschutz oder Naturschutz? Es ist absehbar, dass sich vielerorts Wählerbewegungen gründen werden, die gegen den Verlauf von Stromtrassen, gegen überirdische Leitungen, oder gegen die Aufrüstung bestehender Trassen protestieren werden. Solche Bürgerbewegungen stehen Parteien wie den Grünen nahe. Die setzen sich ein für mehr Bürgerbeteiligung, für Mitsprache, für Partizipation. Partizipation aber dauert. Das kann nicht im Sinne derer sein, die nicht nur auf Atomstrom, sondern auch auf Kohle- und Gaskraftwerke verzichten wollen

Nicht weniger kompliziert ist die Sache mit dem Naturschutz. Wenn in zwei, drei Jahren die Umweltverträglichkeitsprüfungen anstehen, mit denen die Trassenpläne auf ihre Vereinbarkeit mit dem Naturschutz geprüft werden, geht es wieder um die Abwägung: Geschwindigkeit oder Sorgfalt. Je mehr Auerhühner und Juchtenkäfer unter der Energiewende leiden, desto teurer wird die Angelegenheit, und desto länger dauert sie.

Der Atomausstieg war der Triumph der politischen Umweltbewegung. Die Energiewende auszuhalten, wird ihre größte Herausforderung.

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