Ein Zwischenruf zur… : … Loyalität

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Ursula Weidenfeld ist freie Publizistin. Die Ökonomin war Chefredakteurin der Zeitschrift "Impulse" sowie stellvertretende Chefredakteurin und Chefin des Wirtschaftsressorts des Tagesspiegels.
Ursula Weidenfeld ist freie Publizistin. Die Ökonomin war Chefredakteurin der Zeitschrift "Impulse" sowie stellvertretende...Foto: Mike Wolff

Was darf ein Bundespräsident? Was schuldet ein Generalsekretär seinem Parteivorsitzenden?

Wer in den vergangenen Tagen über Freundschaft und Loyalität nachgedacht hat, hat eine Menge Anschauungsunterricht erhalten. Wir wissen jetzt, dass ein Bundespräsident am besten keine Freunde haben sollte. Jedenfalls nicht solche, die es irgendwann einmal zu etwas gebracht haben. Nicht, dass ich der Auffassung wäre, dass Christian Wulff ein guter Präsident ist. Er hat bisher weder inhaltlich noch persönlich die Akzente gesetzt, die ich mir in der derzeitigen Lage der Nation von einem Bundespräsidenten wünschen würde. Aber Freunde soll der Mann schon haben dürfen, und die darf er auch selbst auswählen. Es dürfen auch vermögende Freunde sein. Auch solche, die ihm einen Kredit geben, wenn er klamm ist und seiner neuen Frau trotzdem ein freistehendes Einfamilienhaus in Großburgwedel einrichten will. Na und?

Nur über dieses „na und?“ ist Wulff zu Recht gestolpert. Wenn es wirklich Freunde sind, dann wäre nichts dabei gewesen, den Kredit zu offenbaren, als es im niedersächsischen Landtag um Wulffs Beziehungen zum Unternehmerehepaar Geerkens ging. Vielleicht hätte man sich wieder einmal über Wulffs Vorstadt-Spießertum amüsiert. Aber Freunde helfen sich in der Not – oder auch nur in Situationen, die als solche empfunden werden.

Anders wird es, wenn es um Loyalität geht. Nicht, dass ich fände, dass Philipp Rösler ein guter Wirtschaftsminister, ein guter Vizekanzler, oder auch nur ein guter FDP-Chef wäre. Doch ein Generalsekretär schuldet seinem Vorsitzenden Loyalität. Christian Lindner hat als Generalsekretär in dieser Woche hingeworfen. Dadurch hat er seine Pflicht zur Loyalität verletzt. Er hat sich abgesetzt, bevor klar war, wie sich die FDP-Basis zum Europakurs der Partei verhält. Er hat eine politische Freundschaft gekündigt, die von niemandem verlangt wurde. Er hat sie mit Loyalität verwechselt. Die allerdings war gefordert, zumindest bis zum Ende dieser Woche.

Private Freunde darf man haben, man darf sie auch einmal brauchen. Loyalität aber begründet sich aus Dienstverhältnissen. Sie ist keine freiwillige Leistung, sondern eine Bringschuld. Wer das eine mit dem anderen verwechselt, macht alles falsch. Das hat uns diese Woche gelehrt.

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