Meinung : Eiskalter Krieg

uem

Nun sind die fröhlichen Spiele in Utah am Ende doch noch politisch geworden. Sind sie? Sagen wir so, ein kleiner Teil der olympischen Familie bedient sich einer politischen Sprache, eines Duktus, von dem man annehmen durfte, dass er längst im Staub der Geschichte vergraben ruht: dem des Kalten Krieges. Was war bloß passiert? Die russische Delegation, wahrscheinlich nur ein Teil davon, fühlte sich benachteiligt von Schiedsrichterentscheidungen und zu Unrecht bestraft durch den Ausschluss einer dopingverdächtigen Athletin. Dergleichen kommt vor im Sport, immer und überall, und wird noch befördert, wenn die eigenen, mäßigen Leistungen nach Ausreden schreien. Somit wäre die enttäuschte russische Seele schnell abgetan und nach dem nächsten Sieg der Eishockeymannschaft auch wieder frohgemut gewesen. Wäre da nicht die Archaik, die Muttermilch und das Funktionärswesen. Der Sportfunktionär als solcher zeichnet sich gemeinhin durch gesetzteres Alter aus und die Unfähigkeit zur Flexibilität. Das ist beim russischen Funktionär nicht anders und der hat vor langer Zeit die eiskalte Kriegsführung sozusagen mit der Muttermilch eingesogen. In diesen Zeiten wähnten die damals noch sowjetischen Sportler allüberall Verschwörungen, stets angezettelt vom US-Imperialismus und seinen Helfern, und zeterten darüber. Und wenn alles nichts half, half der Boykott, wie 1984 in Los Angeles. Präsident Putin hat seine Leute jetzt zurückgepfiffen und diesmal diese archaische Keule untersagt. Was bleibt, sind umstrittene Entscheidungen und die Erkenntnis, dass mancherorts die alten Reflexe leider noch funktionieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben