Ekelfotos auf Zigarettenschachteln : Aus Trotz

Bei allem Verständnis für gut gemeinte Fürsorglichkeit: Allmählich beschleicht einen das Gefühl, dass die Grenzen der Aufklärung erreicht sind.

Keine Frage: Schaden können Schockbilder auf Zigarettenpackungen nicht. Aber die Gegenfrage muss auch erlaubt sein. Verhilft es notorischen Rauchern wirklich zur Abstinenz, wenn sie bei jedem Griff zum Glimmstängel eine Teerlunge oder einen eklig wuchernden Kehlkopftumor ansehen müssen? Selbst in untersten sozialen Schichten dürfte es kaum noch einen Tabakabhängigen geben, der nicht um die gesundheitlichen Folgen seiner Sucht weiß. Und was die Abschreckung der noch nicht Abhängigen betrifft: Wer sagt denn, dass die Bilder nicht auch das Gegenteil bewirken? Viele Jugendliche greifen zur Kippe, weil sie cool wirken wollen. Macht es sie in dieser Logik nicht noch cooler, wenn sie harten Darstellungen von körperlichem Verfall, von Hässlichkeit und Tod trotzen? Bei allem Verständnis für gut gemeinte Fürsorglichkeit: Allmählich beschleicht einen das Gefühl, dass die Grenzen der Aufklärung erreicht sind. Begründet wird die Notwendigkeit der Schockbilder mit der Gewöhnung an die seinerzeit bereits als drastisch empfundenen Textwarnungen. Was ist die nächste Eskalationsstufe, wenn wir uns an die Ekelfotos gewöhnt haben? raw

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben