Elke Ferner: : „Ich mag Gabriel“

Erst sich fetzen und dann sich in den Arm nehmen: Elke Ferner ist die Frontfrau der sozialdemokratischen Frauen. Ein Porträt.

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Für ihre Gegner in der SPD ist sie ein radikal-feministischer Apparatschik, für ihre vielen Anhänger eine Modellsozialdemokratin mit großem Herzen. Kaum war die saarländische Abgeordnete Elke Ferner am Wochenende als Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) mit 96 Prozent im Amt bestätigt worden, rüffelte sie am Montag Parteichef Sigmar Gabriel öffentlich für einen rüden Ton und seine angeblich zu negative Beschreibung dieser Parteiorganisation.

Auf der ASF-Bundeskonferenz hatte Gabriel seiner Unzufriedenheit über die mangelnde Bereitschaft der SPD zur Reform ihrer Binnenorganisation freien Lauf gelassen und damit viele Zuhörerinnen schockiert. Die elf Arbeitsgemeinschaften in der SPD hält der Niedersachse schon lange für ineffektiv und zu teuer. Schonungslos kritisierte er, dass der ASF-Kongress drei Tage dauere und die Grünen für junge Frauen attraktiver seien als die SPD. Auch die Kritik einer Delegierten, wonach er sich als Kanzlerkandidat nun erledigt habe, beeindruckte Gabriel nicht: „Ich will lieber nicht Kanzlerkandidat werden, als meine Emotionen zu verlieren.“

ASF-Chefin Ferner sieht die Ursache dafür, dass der Anteil der weiblichen SPD-Mitglieder seit Jahren bei knapp 30 Prozent stagniert, vor allem bei den männlichen Genossen: Zwar habe die SPD dank der Quote viele Frauen an der Spitze, doch sichtbar seien „eben immer nur die Männer“. Die würden im Bundestag in der ersten Reihe sitzen und auch zu wenig Frauen auf die Rednerliste setzen.

Die 54-Jährige mit der feuerroten Kurzhaarfrisur und dem Faible für rote Jacketts hatte schon am Wochenende eine Spitze gegen Gabriel und die beiden anderen potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier und Steinbrück losgelassen. Wie andere Parteilinke bescheinigte sie Hannelore Kraft sehr gute Chancen im Kampf gegen Merkel, obwohl die NRW- Wahlsiegerin im Bund 2013 bisher gar nicht antreten will.

Am Ende seines Auftritts vom Montag applaudierten die Vertreterinnen der 150 000 Genossinnen Gabriel dann doch noch – und der versprach, beim nächsten Treffen wieder „nett“ zu sein. Die ASF-Chefin zeigte sich versöhnlich und drückte den Parteichef auf dem Podium an ihre Brust. „Ich mag Gabriel“, versicherte sie am Dienstag. Sie könne sich ohne Weiteres „mit jemandem politisch fetzen und ihn hinterher auch wieder in den Arm nehmen“. Hans Monath

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