Meinung : Emotional bedeutend

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Ein ordentliches deutsches Unternehmen baut keinen Mist, sondern räumt bestenfalls Unstimmigkeiten im Störungsmanagement ein. Zu unerreichter Virtuosität in dieser Disziplin hat es die Deutsche Bahn gebracht, die unentwegt hin und zurückrudert, falls sich das von einem Eisenbahnunternehmen sagen lässt. Es gibt praktisch keine Entscheidung von ganz oben, die nicht unter einem Hagel von Kritik zögernd wieder zurückgenommen wird, wie zum Beispiel jetzt die abgeschaffte Abschaffung des Speisewagens. „Wir haben die emotionale Bedeutung der Speisewagen für unsere Kunden unterschätzt“, sagt der zuständige Vorstand, zu deutsch: Die Dinger sind zwar völlig unnötig, aber die Leute hängen dran, und da kann man halt nichts machen. Auch die emotionale Bedeutung der alten Bahncard war unterschätzt worden, ja man könnte sagen, dass die Bahn generell die emotionale Bedeutung der Emotion unterschätzt. Sie könnte es freilich auch so machen wie die Fluggesellschaften und ganz ungeheuer billig werden – dann wären die Emotionen weg. Aber die Fluggesellschaften haben es sowieso einfacher als die Bahn. Denn das Essen im Flieger war ja schon immer so beschaffen, dass seine emotionelle Bedeutung kaum zu unterschätzen war. Deshalb konnte es auch ganz einfach weggelassen werden.

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