Meinung : „Ende gut und …

Dieter Fockenbrock

… wirklich alles gut.“

Die Erleichterung stand Klaus Zumwinkel ins Gesicht geschrieben. Diesen Tag auf dem Frankfurter Parkett wird der Postchef so schnell nicht vergessen. Der Börsengang seiner Bankentochter ging reibungslos über die Bühne, die Postbank als erste große Neuemission seit drei Jahren verabschiedete sich sogar mit einem leichten Plus aus dem Handel. Dabei zeichnete sich seit Wochen ein Debakel ab, das nicht nur den Finanzplatz Deutschland, sondern auch das Image Zumwinkels als leisen, aber äußerst erfolgreichen Manager beschädigt hätte.

Denn der dienstälteste deutsche Konzernlenker hat sich verkalkuliert. Das passiert ihm selten. Zumwinkel rechnete nicht damit, dass die Deutsche Bank im Vorfeld des Börsengangs mit eigenen Kaufinteressen quer schießen und dass die Bundesregierung in seine Strategie reinschwatzen könnte. Zu allem Überfluss hatte der Postchef seine schöne Tochter viel zu teuer verkaufen wollen. Das Chaos vor dem Börsengang war so gar nicht sein Stil. Der 61-jährige Manager gilt als analytischer Kopf, der ohne öffentliches Aufsehen fast alles erreicht, was er sich zum Ziel gesetzt hat.

Zum Beispiel den Umbau der lahmem Postbehörde zu einem weltweit operierenden Logistikkonzern. Das Managerhandwerk hat der promovierte Betriebswirt beim amerikanischen Unternehmensberater McKinsey gelernt. Das passt zu seiner schnörkellosen Art. Viele Sätze beginnen mit „Jetzt erst einmal die Fakten …“ und enden mit Zahlenkolonnen. Wirtschaftspolitische Kraftmeierei oder schlaue Beratersprüche sind dem passionierten Wanderer fremd. Stattdessen eilt ihm der Ruf voraus, klare Entscheidungen zu treffen – und diese knallhart durchzusetzen. Nach dem erfolgreichen Umbau der Behördenpost, mit dem er 1989 beauftragt wurde, galt Zumwinkel als einer der Manager in Deutschland, die alles können. Vor zwei Jahren, als Ron Sommer vom Thron der Schwesterfirma Telekom gestoßen wurde, war Zumwinkel selbstredend einer der Kandidaten für die Nachfolge. Er lehnte ab.

Kann es nur Zufall sein, dass zeitgleich eine Serie von Fehlern begann? Erst knickte Zumwinkel ein, weil der öffentliche Widerstand gegen den Abbau von Tausenden von Briefkästen heftig war. Dann machte sich der Postchef mit seinen „Floormanagern“ zum Abbau der Warteschlangen lächerlich. Jetzt pokerte er viel zu hoch beim Börsengang seiner Postbank. Für sein Macherimage ist noch nicht alles gut.

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