Endlager für Atommüll : Neue Suche, neuer Konsens

Gut, dass die Suche nach einem Standort für Atommüll weitergeht. Interessant ist, dass Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident in Baden-Württemberg, am Freitag der Einzige war, der sich zu Fehlern bekannte.

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Endlich bewegt sich in der Endlagerfrage wieder etwas. Nachdem der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen ist – und zwar ohne Rückfahrkarte – wollen Bund und Länder sich nun zum ersten Mal ernsthaft mit den Hinterlassenschaften des Atomzeitalters auseinandersetzen. Die Suche nach dem sichersten Standort soll von vorne beginnen. Und diesmal soll sie ergebnisoffen sein, auch wenn der Salzstock Gorleben nicht sofort als ungeeignet aussortiert wird.

Dass die Landkarte tatsächlich weiß ist, wie Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Freitag versprach, wird ihm in Gorleben und Umgebung sowieso niemand glauben. Aber angesichts der mehr als 1,5 Milliarden Euro, die dort schon versenkt worden sind, wäre es nicht minder unglaubwürdig, Gorleben gleich aus dem Spiel zu nehmen. Wenn dieses Mal die Kriterien an die Sicherheit eines Endlagers definiert werden, bevor es gefunden ist, erhöht das die Chancen. In Gorleben wurden die Kriterien stets den real vorgefundenen Bedingungen angepasst. Bei Atommüll, der hunderttausende Jahre gefährlich bleibt, ist das unakzeptabel.

Röttgen und seine Kollegen aus den Ländern wollen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Deshalb soll die Endlagersuche dieses Mal transparent verlaufen, und die Bürger sollen mitreden können. Anders wird es auch nicht gehen. Außerdem ist es eine beachtliche politische Leistung von Landespolitikern in Baden-Württemberg und Bayern, dass sie ihre Blockade aufgegeben haben. Röttgen hat schon recht: An keinem Standort wird die Aussicht, auf einem Atomendlager zu leben, Jubel auslösen. Doch wenn Bund und Länder daran festhalten, dass die Endlagerfrage innerhalb von Deutschland und von der aktuell regierenden Generation gelöst werden muss, gibt es durchaus die Chance, in absehbarer Zeit einen relativ sicheren Ort für den strahlenden Müll zu finden.

Interessant ist, dass Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident in Baden-Württemberg, am Freitag der Einzige war, der sich zu Fehlern bekannte. In der eigenen Regierungszeit sei es nicht gelungen, das Problem zu lösen. Das lasse sich eben nur im Konsens erreichen. Den gibt es nun. Dieser Konsens muss jetzt bloß noch die nächsten Regierungswechsel in Bund oder Ländern und den Zorn der Betroffenen überstehen.

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