Energiepreise : Vom Gas gehen

Die Verbraucherpreise steigen – doch hilflos ausgeliefert sind die Kunden nicht. Sie können wechseln.

Ewald B. Schulte

Millionen Haushalte erhalten dieser Tage wieder mal Post von ihrem Versorger. Die unangenehme Botschaft: Die Unternehmen erhöhen wieder einmal die Gaspreise. Und dieses Mal wird es besonders happig: Im Schnitt sollen die Kunden 15 Prozent mehr zahlen, bei der Klientel des Essener Energieriesen RWE liegt der Preisaufschlag gar bei satten 27 Prozent. Bei einem durchschnittlichen Haushalt schlägt allein diese Tariferhöhung mit Mehrbelastungen von 200 bis 375 Euro jährlich zu Buche. Und das ist nicht das Ende der Fahnenstange, denn schon zum Jahresende, also pünktlich zum Beginn der Heizsaison, zeichnet sich bereits der nächste Preisschub ab.

Schuld daran ist die Bindung des Gasimportpreises an die Entwicklung des Ölpreises. Der aber ist in diesem Jahr – auch und vor allem spekulationsbedingt – förmlich explodiert. Zeitversetzt folgen dieser Entwicklung nun auch die Gastarife der Endverbraucher.

Dennoch fährt Deutschland mit der in langfristigen Lieferverträgen festgeschriebenen Ölpreisbindung vergleichsweise gut, da sie die Kunden vor den mitunter erratisch anmutenden Preisausschlägen am Gas-Spotmarkt ebenso verschont wie vor willkürlichen Preisdiktaten der Gasförderstaaten. Auch führt diese Bindung zu sinkenden Gastarifen, wenn der Ölpreis wieder absacken sollte. Genau damit rechnen Experten. Der Hamburger Energie-Informationsdienst etwa warnte die Heizölverbraucher kürzlich vor übereilten Vorratseinkäufen, da ein Einbruch der Ölpreise nicht mehr auszuschließen sei. Diese Mahnung berücksichtigen sollten auch jene Gaskunden, denen von ihrem Versorger jetzt – gegen einen kleinen Aufpreis – ein mehrjähriger Verzicht auf weitere Gaspreissteigerungen offeriert wird.

Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Gaspreise nicht an der Spitze: Holländer, Skandinavier und Italiener etwa müssen für Gas deutlich tiefer in die Tasche greifen als die deutschen Verbraucher. Die haben es zudem selbst in der Hand, ihre Energiekostenrechnung zu reduzieren. Jede Preissteigerung gibt ihnen das Recht, zu einem günstigeren Lieferanten zu wechseln – wenn es den vor Ort geben sollte. Man muss es nur tun. Oft genug auch sind die in den Haushalten betriebenen Heizungsanlagen hoffnungslos veraltet. Der Einsatz neuer Brenner ist bares Geld wert, weil deutlich weniger Gas verbraucht wird. Die Installateure warten nur auf den Anruf.

Dennoch ist der Verdacht der Kundenabzocke nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Anders nämlich lassen sich regionale Preisunterschiede von bis zu 600 Euro pro Haushalt jährlich nicht erklären. In rund 40 Fällen prüft das Kartellamt daher, ob hier Versorger ihre marktbeherrschende Stellung widerrechtlich ausgenutzt haben. Wird das Amt fündig, ist davon auszugehen, dass die Wettbewerbsbehörde hier spürbare Senkungen der Gastarife verfügt.

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