Energieversorgung : Freiwillig? Nicht ganz!

Für die Netzbetreiber sind die golden Jahre vorbei. Der Energiekonzern Eon will sein Stromnetz jetzt verkaufen. Das ist gut für den Verbraucher.

Es ist eine totale Kehrtwendung, die Eon jetzt vollzieht: Deutschlands größter Energieversorger will sein Stromnetz verkaufen. Freiwillig? Nicht ganz. Der Druck, den die EU-Kommission auf die deutschen Energiekonzerne ausübt, zeigt offensichtlich Wirkung. Um die Macht der Versorger zu brechen und für bezahlbare Strompreise zu sorgen, droht Brüssel notfalls mit einer Zerschlagung der Konzerne. Falls der Wettbewerb nicht in Gang kommt, will die EU-Kommission Netz und Produktion zwangsweise trennen.

Mit einem Verkauf seines Stromnetzes kann Eon dem aus dem Weg gehen. Der Konzern erspart sich Scherereien mit Brüssel – und macht zugleich noch Kasse. Denn jetzt kann der Versorger noch darauf hoffen, viel Geld für seine Stromautobahnen zu bekommen. Auf weit über eine Milliarde Euro wird der Wert des Netzes geschätzt. Wartet Eon aber zu lange und zwingt die EU-Kommission Eon, RWE, Vattenfall und EnBW ihre Netze zu verkaufen, sinkt der Wert beträchtlich.

Hinzu kommt: Für die Netzbetreiber sind die goldenen Jahre vorbei. Lange haben die Versorger gutes Geld damit verdient, dass sie Wettbewerbern hohe Gebühren für die Nutzung ihrer Netze abgeknöpft haben. Netze, die wohlgemerkt vor der Privatisierung der Stromkonzerne mit dem Geld der Steuerzahler aufgebaut worden sind. Die Milliardengewinne der Unternehmen haben die Kunden mit hohen Strompreisen bezahlt. Doch heute zwingt die Bundesnetzagentur die Versorger, langfristige Investitionspläne aufzustellen und kontrolliert, ob diese eingehalten werden. Zudem machen die Wettbewerbshüter Druck auf die Preise. Die Entgelte für die Netznutzung müssen sinken.

Verbraucherschützer jubeln. Sie haben stets gefordert, dass Netz und Stromerzeugung getrennt werden müssen. Mehr Wettbewerb auf dem Markt dürfte über kurz oder lang zu sinkenden Strompreisen führen und die Privatkunden, aber auch die Stromverbraucher in der Wirtschaft entlasten.

Für die Bundesregierung ist dieser Donnerstag ein schwarzer Tag. Denn Angela Merkel und ihr Wirtschaftsminister Michael Glos haben stets der EU die Stirn geboten und für einen dritten Weg plädiert: Sie wollen den Versorgern die Netze lassen, aber dafür sorgen, dass die Netztöchter eigenständig operieren können. Ausgerechnet der größte deutsche Energiekonzern fällt Merkel und Glos jetzt in den Rücken. Zwar unterstützen RWE und EnBW nach wie vor die Regierungslinie, aber auch Vattenfall kann sich einen Verkauf seiner Netze vorstellen. Das schwächt die deutsche Verhandlungsposition in Brüssel. Für die Kunden ist das jedoch eine gute Nachricht.

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